Quirinus-Mittelaltermarkt (NGZO). Der Quirinus-Mittelaltermarkt vor Münster und Zeughaus überzeugte mit einem niveauvollen Angebot und wurde seinem Namen gerecht. Viele Neusser dankten es mit ihrem Besuch – trotz schlechten Wetters.
Der heilige Quirinus hätte seine helle Freude am Treiben rund um das Gotteshaus gehabt. Groß war das Interesse der Neusser und der Besucher aus der Region am Quirinus-Mittelaltermarkt anlässlich der Grundsteinlegung des Münsters vor 800 Jahren. Sie ließen sich am Wochenende zur Zeitreise in die Vergangenheit einladen. Eine bunte Schar von Gauklern, Handwerkern und Spielmannsleuten sorgten mit ihrem Tun dafür, dass das Mittelalter vor den historischen Kulissen von Zeughaus und Quirinusmünster noch einmal lebendig wurde.
Anders als noch beim Hanse-Fest vor wenigen Wochen konnten die Besucher nicht nur essen und kaufen, sondern auch staunen und mitmachen. Das kam an: "Ein Markt mit Stil, das gefällt mir gut", sagte der Neusser Frank Jahn, der mit seiner Ehefrau entspannt über den Münsterplatz schlenderte. Mitmachen sollten vor allem die Kinder: In welches Tor läuft wohl die Maus bei der Mäuserallye? Mit offenen Mündern verfolgten die Kleinen den Weg der zierlichen Maus. Mit zeitgemäßer Schutzbrille ausgestattet, so viel Modernität muss dann doch sein, konnten andere mit Hammer und Meißel Sandsteinblöcke bearbeiten oder einem Seiler beim Herstellen von Tauen helfen. Ina Dheus von Neuss Marketing, die federführend die Organisation des Mittelaltermarktes übernommen hatte, erklärte die Philosophie: "Der Anlass des Festes ist ja der Kirchenbau. Daher liegt der Schwerpunkt auf Handwerk und Mitmach-Ständen für Kinder."
Quirinusjahr
Weitere Veranstaltungen:
31. Oktober, 18 Uhr Pontifikalamt mit dem Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, Quirinusmünster.
1. November, 20 Uhr, Zeughauskonzert im Quirinusmünster.
2. November bis 18. Dezember, Ausstellung im Stadtarchiv, "Macht und Pracht – Das Quirinusmünster in der Geschichte der Stadt Neuss".
Gemeinsam mit dem Inhaber der Mittelalteragentur "Sündenfrei", Henri Bibow, ist Ina Dheus und Neuss Marketing die Zusammenstellung für ein rundum überzeugendes Fest gelungen. Dazu trugen die Hauptakteure ganz wesentlich bei: Gaukler, Jongleure, Spielmannsleute. Einer von ihnen, "Laut'n Hals" alias Bernd Roßmüller, zog am Samstag Mittag – kurz bevor der große Regen einsetzte – die Besucher in seinen Bann. Heiterkeit und Beifall löste der Künstler aus der Nähe von Rostock aus, als er Ulrike, gebürtig Schonnebeck (auf Befragen "noch" verheiratet), in ein Liedchen einbautet, und einem Paar entlockte, dass es seit gerade einmal fünf Wochen verheiratet ist. Als ein Magier, was seine Anziehungskraft beim Publikum betrifft, erwies sich auch Gaukler Lupus, der am Sonntagmittag "mit sechs Bällen in zwei linken Händen" jonglierte und die beträchtliche Zuschauermenge in der für die damalige Zeit typischen Sprache bestens unterhielt.
Stark gefragt war auch der Stand von Andreas Grün und Uwe Schneevogt, die zum Verkauf boten, was Ritter damals zum Kampf benötigten: schwere Kettenhemden aus Edelstahl, wuchtig-schwere Stahlhelme, Lanzen, Schwerter und Äxte. "Vielleicht kauft sich der eine oder andere ein Schwert, um es sich an die Wand zu hängen", sagte Grün. "Unsere Kunden sind Vereine und Mittelaltergruppen. Von denen gibt es viele." Wie die zu kämpfen verstehen, zeigten sie auf dem Freithof. Und verrieten Schauriges: "Mit dem Schwert wurde nicht nur gestochen, sondern auch gebohrt, damit die Wunde mehr blutete." Die Geschicktesten suchten den Schlitz im Helm als Ziel, um den Gegner mitten ins Auge zu treffen. . . Angesichts dieser Erzählungen suchten manche schnell Entspannung bei Musik von "The Sandsacks" und einem Ritterbier oder einer Fassbrause.
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