Neuss (NGZ). Neuss Toni Wagner, 1966 erster Vorsitzender des Vereinigten Männergesangsvereins Osterath (VMGV), musste sich seinerzeit schwer ins Zeug legen, um Willy Braeckeler als neuen Chorleiter zu gewinnen.
Willy Braeckeler
Willy Braeckeler wurde vor 80 Jahren In Neuss geboren, absolvierte ein Studium
der Kirchenmusik an der Musikhochschule Köln udn schloss es mit dem Kantorexamen 1952 ab. Bereits 1950 hatte err seine erste Dirigententätigkeit beim Männerchor Teutonia Neuß aufgenommen. Gleichzeitig wurde er Organist in St. Marien.
Trotz vollen Terminkalenders erklärte sich der gefragte, 39 Jahre alte Kantor der Neusser Marienkirche schließlich bereit, die Leitung des VMGV zu übernehmen. Am 3. Dezember 1966 schwang er in der Meerbuscher Gaststätte „Bei Dörper“ zum ersten Mal den Taktstock. 40 Jahre lang führte Braeckeler „seine Männer“ durch die Höhen und Tiefen ihrer Chorpartituren. Am vergangenen Freitag verabschiedete er sich im Alter von 80 Jahren aus seinem Amt - mit einem letzten Konzert in der Marienkirche.
„Die 40 Jahre unter Willy Braeckeler werden in die Annalen des Chores eingehen“, sagte Herbert Fischer, der heutige erste Vorsitzende des VMGV, in einer emotionalen Laudatio auf seinen langjährigen „Chef“. „Er hat uns mit Fachkompetenz und großem Einfühlungsvermögen geleitet. Sportlich gesagt: Wir hatten das große Glück, einen Chorleiter mit Bundesliganiveau zu haben.“ Braeckeler selbst genoss sein Abschiedskonzert merklich.
Nach einem eher hastigen Orgelvorspiel von Stefan Palm - Bachs Präludium und Fuge in D-Dur - bestieg der scheidende Chorleiter erstmals das Podium und führte die lebhaft aufspielende Duisburger Sinfonietta durch ein Telemannsches Trompetenkonzert. Solist Peter Koch wahrte wacker die Fassung, obwohl ihm, wohl mangels Einspiel-Gelegenheit, mehrfach die Töne wegbrachen.
Im Mittelpunkt der beiden „Messias“-Auszüge „Er weidet seine Herde“ und „Wie lieblich ist der Boten Schritt“ stand die warme Altstimme von Ulrike Kamps-Paulsen. Daniel Sans, sowohl optisch als auch klanglich ein Tenor wie er im Buche steht, hatte in „Mit Würd’ und Hoheit angetan“ aus Haydns „Schöpfung“ seinen großen Auftritt.
Dann endlich kam der VMGV ins Spiel - zunächst mit Franz Schuberts „Gott in der Natur“, in dem es in Sachen Artikulation noch ein wenig haperte und die Abstimmung zwischen Chor und Orchester besser hätte sein können. Im großen Schlusswerk - Philipp Mohlers Kantate „Viva la Musica“ - gelang den Aufführenden ein deutlich homogener Gesamtklang. In Erinnerung blieb vor allem Daniels Sans’ koloraturreiches Solo im „Madrigal“ des zweiten Satzes und die würzige „Villanella alla napoletana“ des Chores.
Für Willy Braeckeler gab’s im Anschluss an das gewaltige Presto-Finale neben Blumen, Vereinsnadel und Ehrenurkunde minutenlange Standing Ovations. Als Dank für 40 Jahre treue Dienste schenkte ihm der VMGV, dessen neuer Leiter der Korschenbroicher Kantor Henning Dembski wird, einen mehrtägigen Hotelurlaub.
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