Lokalsport: Galopprennbahn Neuss (NGZO). Rennvereins-Berater Dr. Bernd Koenemann über die Kritik am neuen Rennbahnhaus und an den Umständen des Eröffnungsrenntages
In nur acht Tagen soll auf der am Sonntag wieder eröffneten Neusser Galopprennbahn der zweite Renntag gestartet werden. Mehrheitlich wurden von den Besuchern und auch von den Funktionären heftige Kritik an der Tribüne, der Gastronomie und anderen Details geübt. NGZ-Mitarbeiter Klaus Göntzsche sprach darüber mit Dr. Bernd Koenemann, dem beratenden Geschäftsführer des Neusser Reiter-und Rennvereins.
Es gab öffentliche und auch stille Schelte von vielen Seiten. Wie beurteilen Sie nach einigen Tagen des "Sackenlassens" diese wenig erfreuliche Resonanz und wie fühlen Sie sich persönlich?
Dr. Bernd Koenemann Es sind gemischte Gefühle. Ich möchte hier auch einmal klar sagen, dass es nicht nur Kritik, sondern auch Lob gab. Viele ältere Besucher haben sich bei mir dafür bedankt, dass es nun nicht mehr so schmuddelig und ungemütlich ist. Vor allem im inneren Bereich kann man es doch gut aushalten. Aber es ist auch klar, dass der Regen am letzten Sonntag die ohne Zweifel vorhandenen Mängel und Probleme verstärkt deutlich gemacht hat. Die Realität hat uns deshalb schneller eingeholt, als es uns lieb war. Grundsätzlich muss bei aller Kritik an der Tribüne deutlich gesagt werden, dass es sich um eine Multifunktionsanlage handelt und nicht um eine spezielle Rennbahntribüne.
Trotzdem ist bei allen Fachleuten des Galopprennsports der Eindruck entstanden, der Architekt habe entweder nie zuvor eine Rennbahn gesehen oder zumindest nicht zugehört, wenn man ihm die besonderen Abläufe auf Rennbahnen erklärt hat.
Koenemann Ich kann dazu nur sagen, dass ich zwei oder drei Mal mit Professor Stahl in Düsseldorf war und ihm dabei die Abläufe und Notwendigkeiten schon sehr genau geschildert habe. Mir hat er zudem gesagt, er sei in Köln und Krefeld gewesen.
Aber er hat es offenbar nicht verinnerlicht, sonst könnte er die Rennleitung nicht im eigentlichen Büro des Geschäftsführers zwischen dem Presseraum abseits aller Kommunikation und dem Sekretariat unterbringen, für die Jockeys keine ausreichenden Reinigungsmöglichkeiten für die Ausrüstung schaffen, einen großen Monitor so anbringen, dass es zwangsläufig zu Publikumsansammlungen an eigentlich nicht zugänglichen Stellen kommt, keine vernünftigen Sitzplätze für den ganz normalen Besucher schaffen, die Jockeys durch das Publikum zurück zur Waage laufen lassen und so weiter und so fort.
Koenemann: Das mag alles stimmen. Ich kann es nur wiederholen, letztlich war es das Problem, nicht nur eine Tribüne für eine Rennbahn zu schaffen. Deshalb sind viele Kompromisse gemacht worden.
Rennleitungschef Dr.Peter Tasch und der Verbands-Sicherheitschef Harald Siemen haben ihnen eine längere Mängelliste vorgelegt.
Koenemann Vor allem der Übergang der Reiter nach dem Rennen zur Waage wird verlegt. Der Durchgang vom Absattelring führt nicht mehr durch das Publikum, für die Pferde bleibt jetzt noch ein Ein- und Ausgang. Moniert wurde auch das dunkle Loch auf dem Weg vom Führring zum Geläuf am Globe-Theater. Wir werden das bis zum nächsten Renntag besser abtrennen. Aber ich sage auch gleich, dass dort die Bauarbeiten für die Kanalsanierung beginnen. Deshalb wurde an den Parkplätzen nicht viel getan und der Regen gab ihnen den Rest. Wir müssen das alles jetzt in enger Abstimmung mit dem Bauleiter dort schaffen. Den Zugang zur Waage werden wir abtrennen mit Rails und den großen Monitor tauschen wir eventuell gegen ein kleineres Gerät. Es sind noch ein paar weitere Kleinigkeiten, die wir erledigen werden. Und die Herren bekommen auch ihren alten Parkplatz auf der Wiese am Eingang Hammer Landstraße wieder.
Zu den Absonderlichkeiten zählten Türen an wichtigen Stellen, die nur von innen zu öffnen waren.
Koenemann Deshalb hat es Gespräche mit der Stadt gegeben. Es sind Riegel in Auftrag gegeben, die es möglich machen sollen, dass die Türen auch von außen zu öffnen sind.
Beschwerden der gehobenen Kategorie gab es an der Gastronomie. Ungenießbare Bratwürste, keine Currywurst, ein zu geringes Angebot. Wollte der Unternehmer nichts verdienen?
Koenemann Das Speiseangebot auf dem Platz wird am 29.November erheblich erweitert. Es gibt Reibekuchen und Pommes, die angebotene Paella wurde nicht wie erhofft angenommen. Es war für die Gastronomie an diesen Tag nicht einfach, denn es stand keine für einen solchen Termin nötige Kücheneinrichtung zur Verfügung. Die Gastronomen geloben Besserung.
Was muss der Besucher tun, wenn er künftig einen Platz im Restaurant Equipe einnehmen will?
Koenemann Er kann ihn für 59,90 Euro buchen. Damit hat er den Platz für den gesamten Renntag inklusive Essen und Getränke. Kein Gastronom kann davon leben, wenn ein Besucher zwar fünf Stunden lang wettet, aber nur eine Flasche stilles Wasser ordert. Wer das will, muss sich anders orientieren. Dafür stehen genügend Möglichkeiten bereit.
Bemängelt wurde, dass im Außenbereich keine Wettkassen mehr verfügbar sind.
Koenemann In der alten Wetthalle haben wir neun, in der neuen Bürgerhalle der neuen Tribüne stehen fünf Kassen. Das alte Totogebäude steht dafür nicht mehr zur Verfügung. Im Gespräch ist eine Nutzung durch Buchmacher Sieberts und als Lagerraum für die Gastronomie.
Was machen die Nachbesserungen am Geläuf und was geschieht mit den 1500 Tonnen abgetragenem Sand?
Koenemann Die Feinarbeiten sind abgeschlossen, vor allem mit dem Wasser im Zielbereich. Den Sand würden wir preiswert abgeben. Der ist nicht umweltbelastet, wir sind Landschaftsschutzgebiet. Für die Sand-Trainingsbahn ist er nicht geeignet, da muss schon ein anderer Untergrund geschaffen werden. Wir sind deshalb in Gesprächen mit der Stadt.
Wird es jemals wieder Rennen auf der Grasbahn geben?
Koenemann Ja, nach Abschluss der Arbeiten im Innenbereich.
Wie sieht es mit dem Nennungsergebnis für den 29.November aus?
Koenemann Wirklich gut. Da kenne ich aus der Vergangenheit ganz andere Zahlen.
Der beliebte Silvester-Renntag wird wieder in Neuss sein. Mit etwas mehr Abwechslung als nur Pferderennen und einer pflichtgemäß wie seelenlos abgenudelten Championatsehrung?
Koenemann Wir werden uns um ausreichende Abwechslung kümmern.
Hands aufs Herz: Ist die Bahn einfach zu früh wieder eröffnet worden oder lag es wirklich nur am Wetter?
Koenemann Was soll ich sagen: einige Arbeiten sind einfach nicht rechtzeitig fertig geworden.
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