Neuss (NGZ). Neuss Der Kirchenraum von St. Pius hat Nischen und Winkel. Das gefällt Marcus Bussemer: „Nette Ecken.“ Und der Kreisjugendseelsorger ist überzeugt, dass diese Form des Gotteshauses auch Jugendliche anspricht. Deshalb soll der 40 Jahre alte Schürmann-Bau am Pius-Kirchplatz sein Zentrum für die Jugendpastoral werden. Nicht Jugendkirche sondern junge Kirche ist sein Konzept. Und das lebt vom Mitmachen.
Mit der Verortung der Jugendliturgie schlägt Bussemer, seit einigen Monaten im Amt, einen ersten Pflock ein. Weitere werden folgen, denn zur Jugendliturgie sollen andere Angebote und damit andere Handlungsorte für den Jugendseelsorger in Neuss kommen. Ein Treffpunkt, ein Zentrum für die verbandliche Jugendarbeit wird gesucht, am besten citynah. Ob das mit einem offenen Angebot verknüpft werden muss? Bussemer weiß es noch nicht. In Dormagen und Grevenbroich, wo es solche Treffpunkte in Form etablierter Jugendcafes bereits gibt, hält er das für sinnvoll. In Neuss würde sich ein solches offenes Angebot zwischen dem „Haus der Jugend“ und dem städtischen Jugendzentrum Pier 1 zu behaupten haben. Nicht einfach.
Aber einen Versuch wäre es wert, zumal für die katholischen Jugendverbände ohnehin eine neue Heimat gefunden werden muss. Das katholische Jugendamt räumt zur Jahresmitte das Kardinal-Frings-Haus, seine Aufgaben nimmt dann die katholische Fachstelle für Jugendarbeit und -hilfe in Düsseldorf mit wahr. Der BDKJ in Neuss ist aber noch so stark, dass Bussemer ihn nicht im Regen stehen lassen will. Nur, wo ansetzen? Sebastianuskloster als Zentrum und Sebastianuskirche als spirituelle Ergänzung wären optimal, erklärt Bussemer, doch das Bistum hat mit beiden Häusern anderes vor (siehe Bericht unten). Also doch im Frings-Haus bleiben? „Und wer mietet dann den Rest“, fragt der Jugendseelsorger.
Ohne das Ergebnis dieser Suche abwarten zu wollen, wurde im Bereich der Jugendliturgie ein Anfang gemacht. „Themen und Fragen der jungen Generation sollen in die Waagschale der jungen Kirche kommen“ umreißt Bussemer ein Ziel dieser Neuorientierung. Das wurde am Ostersonntag, als ein erster Jugendgottesdienst in St. Pius gefeiert wurde, tatsächlich mit einer Waage versinnbildlicht. Zu der konnte, sollte jeder Gottesdienstbesucher gehen und durch Beschweren der einen oder anderen Waagschale Antwort auf die Frage geben: Wie wichtig ist mir Glaube? Ansprache der Gottesdienstbesucher durch eine Frage, Auseinandersetzung, Meinungsäußerung ohne vor allen etwas sagen zu müssen - das soll Schule machen.
Diese dialogische Form, die Bussemer sich in großen Kirchenschiffen weniger gut vorstellen kann, dieses niederschwellige Angebot hat auch viel mit Musik zu tun. Für die haben der Kirchenmusiker Gregor Linßen und der Regionalkirchenmusiker Michael Landsky den Rahmen entworfen. Wie bei Vorbereitung und Gestaltung des Gottesdienstes kann sich auch dazu jeder einbringen. Voraussetzung sind ledigliche Grundfähigkeiten am Instrument oder beim einstimmigen Gesang. Statt eines „Wettstreits“ der Chöre, der Darstellung einer Gruppe, soll es ein Miteinander in der Musik geben. Das geht so weit, dass am Sonntag, 14. Mai, ab 16 Uhr in der Probe ein Chor entsteht, der ab 18 Uhr seinen ersten Auftritt hat.
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