Rhein-Kreis Neuss (NGZ). Nach vier Tagen Reise durch Rumänien mit dem Schwerpunkt Transsilvanien ziehen Unternehmer aus dem Rhein-Kreis und der Region Bilanz: Das Land am Schwarzen Meer bietet neue Chancen für die Exportwirtschaft.
Auf Tour durch Transsilvanien – da braucht es keinen Reiseführer für die ersten Bilder im Kopf. Und auch wer online nach Informationen sucht, wird spätestens beim dritten Treffer fündig: Dracula, Blutsauger und Gespenster.
Kein Wunder, dass die Teilnehmer einer von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein und dem Rhein-Kreis Neuss organisierten Unternehmerreise, die bis gestern in Rumänien vor allem im sagenumwobenen Land "jenseits des Waldes" unterwegs waren, Erklärungsbedarf hatten. "Match-Making", Businesss-Slang für Kontaktvermittlung, stand auf dem Programm ganz oben.
Im Land von Nosferatu? Viel Spaß wird sich mancher Mitarbeiter gedacht haben, als sein Chef auf die Reise ging und wenn nicht die Vampirgeschichten, dann vielleicht die Bilder eines nach Jahrzehnten sozialistischer Diktatur und wirtschaftlichem Zusammenbruch verelendeten Landes vor Augen gehabt haben.
Steckbrief Rumänien
Einwohner Rumänien zählt mit 21,6 Millionen Einwohnern zu den bevölkerungsreichsten Ländern Mittel- und Osteuropas.
Deutsche Minderheit Etwa 0,3 Prozent der Bevölkerung sind deutschstämmig. Die deutsche Minderheit lebt im Landesteil Siebenbürgen.
Wirtschaft Wichtige Wirtschaftszweige sind der Maschinenbau (Anlagen-, Auto- und Schiffsbau), Chemie, Öl- sowie Textilindustrie. Seit dem 1. Januar 2007 ist Rumänien Mitglied der EU.
Handel Der Warenaustausch zwischen Deutschland und Rumänien erreichte 2010 einen Umsatz von über 14 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem Handel zwischen Deutschland und Südafrika. Rumänien importierte 2010 Waren aus Deutschland im Wert von 7,8 Milliarden Euro.
"Chancen überwiegen"
Gestern zogen die 15 Teilnehmer der viertägigen Reise eine erste Bilanz – und die ist keine Horrorgeschichte: "Natürlich gibt es in Rumänien auch Probleme, zum Beispiel Bürokratie, Korruption und eine Infrastruktur, die noch lange nicht EU-Niveau hat. Aber: Die Chancen überwiegen", sagt Jürgen Steinmetz, Wirtschaftsdezernent des Rhein-Kreises.
Interessant wird Rumänien aus Unternehmersicht durch niedrige Arbeitskosten. "Ein Facharbeiter verdient etwa 400 Euro pro Monat", sagt IHK-Geschäftsführer Roland Meisner. Damit lägen die Löhne auf chinesischem Niveau. Der Vorteil des Standortes Rumänien: "Das Land liegt vor unserer Haustür, nur zwei Flugstunden entfernt", sagt Guido Schuler, Geschäftsführer des IT-Unternehmens Hacom aus Neuss. Rund 1000 deutsche Unternehmen nutzen das bereits: Sie produzieren in Rumänien nicht nur für den Binnenmarkt, sondern liefern von dort zu geringen Kosten nach ganz Europa.
In den vergangenen Jahren wurden – oft innerhalb kürzester Zeit – viele neue Werke gebaut. Die Delegation aus dem Rhein-Kreis besuchte zwei davon: Miele und den Flugzeugbauer EADS. Auch der Bausektor wird so zum potenziellen Geschäftsfeld, ein Grund, warum auch Architekt Richard Wichmann, aus Neuss mitgefahren ist. Andere Teilnehmer kommen aus der Finanzwirtschaft, dem IT-Sektor, der Immobilienbranche, dem Handel, der Mess- und Prüftechnik sowie der Kreativwirtschaft. Sie wollen jetzt die in den vergangenen Tagen geknüpften Kontakte auswerten. Dass das mehr Bedeuten kann als eine nette Reiseerinnerung, zeigt das Beispiel von Jürgen Güsgen, Geschäftsführer des Messtechnik-Spezialisten Nieberding aus Kaarst, der jetzt auch in Rumänien dabei war. Nach Reisen mit der IHK und dem Rhein-Kreis konnte er 2010 eine Niederlassung in der chinesischen Stadt Wuxi eröffnen.
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