Zinsen auf Tiefststand stimulieren Interesse an Haus- und Grundbesitz (NGZ). Alexander Busch hält auf seinen Großvater große Stücke. "Es gibt Jagdtage und es gibt Fangtage", hatte der Makler seinem Enkel mit auf den Weg ins Berufsleben gegeben. Und der, inzwischen selbst Immobilienprofi, weiß: "Jetzt sind Fangtage, denn Kaufen schlägt Mieten eindeutig." Dass es auch in Zeiten wirtschaftlicher Depression genug Interessenten gibt, die einen "Fang" machen wollen, erlebten Busch und zahlreiche weitere Aussteller am Wochenende bei der Neusser Immobilien-Börse im Haus der Sparkasse. Weil Zinsen und Immobilienpreise nach unten tendieren, registrierten die Aussteller reges Interesse potenzieller Käufer. NGZ-Fotos (2): A. Woitschützke
Obwohl kaum einer der Anbieter seine Präsentation mit der Absicht aufstellte, vor Ort zum Vertragsabschluss zu kommen. "Man zeigt sich", umriss Gisela Paschhoff von der Firma Sturm-Immobilien, die mit ihrem Flaggschiff, dem Projekt Salzstraße, präsent war, einen wichtigen Zweck dieser Börse. Wie wichtig die Bauträger und Immobilienbüros dieses Forum nehmen, belegt das Beispiel Neusser Bauverein. Noch bis Freitagabend wurde in den Büros an der Rheinstraße an dem Katalog für das Bauvorhaben Bickenbachstraße gefeilt, wie Wolfgang Zimmermann erklärt.
Denn die Wohnungsbaugesellschaft wollte unbedingt ihre beiden aktuellsten Projekte - neben dem Vorhaben in Vogelsang plant der Bauverein noch 19 Reihenhäuser in Weißenberg - in Wort und Bild vorstellen, obwohl mit dem Vorhaben Bickenbachstraße eine "Schallmauer" durchbrochen wird. Zimmermann: "Erstmals bieten wir Objekte über 300.000 Euro an." Trotz "Fangzeit": Richtig glücklich sind die Anbieter von Haus und Grund derzeit nicht. "Die Marktlage lässt uns nicht vor Freude strotzen", bekennt Zimmermann, obwohl der Bauverein seine Einfamilienhäuser noch immer relativ gut an den Mann bekommt. Vor allem die etwas preiswerteren wie zum Beispiel Reihenmittenhäuser sind als erste verkauft.
Alexander Busch macht gleiche Beobachtungen. Preiswerte Objekte wie so genannte Handwerkerhäuser, "wo man selber frickeln muss", wie Busch erklärt, verkaufen sich gut. Obwohl sich seiner Ansicht nach diese Bauherren, die viel Eigenleistung erbringen, nicht selten etwas vormachen. "Nachher ist es oft doppelt so teuer." Neben diesem Segment machen ausgefallene Vorhaben - wie Buschs Clemenshof in Morgensternsheide - und auch Objekte jenseits der 700.000 Euro Kaufpreis den Maklern noch Freude. Dazwischen ist die Nachfrage geringer als das Angebot. Das drückt den Preis, wie Georg Brüggen weiß.
Manfred Sturm (li.) und Gisela Paschhoff (re.) warben auf der Immobilienbörse in der Sparkasse für ihr Flaggschiff, das Projekt Salzstraße.
Der Leiter des Sparkassen-Immobilienzentrums spricht eindeutig von einem "Käufermarkt". Brüggen: "Wer jetzt komplett aus der Immobilie als Wertanlage aussteigen muss, wird zu ungünstigen Konditionen verkaufen müssen." Die Käufer freut's, denn zu diesem Faktor kommen zwei weitere wichtige Entscheidungshilfen: Zinsniveau und Eigenheimzulage. Diese Förderung wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nach den alten Regeln, die eigentlich schon zum Jahreswechsel von der Bundesregierung aufgekündigt worden waren, gewährt. Kann dieses Argument eine ohnehin bestehende Kaufabsicht nur beflügeln, so ist das, wie Brüggen formuliert, "historisch niedrige Zinsniveau" schon von viel durchschlagenderem Gewicht.
"Finanzierungsmöglichkeiten unter fünf Prozent - wann hat es das zuletzt gegeben?", formuliert Brüggen und leitet daraus eine einzige Schlussfolgerung ab: "Wer ein Objekt gefunden oder fast gefunden hat und nicht sagt: ,Okay, ich kaufe!', den muss man fragen: Worauf wartest du noch?" Diese Frage richtet sich an Häuslebauer als Eigennutzer ebenso wie an Immobilienkäufer zur Wertanlage. Denn für Manfred Sturm, Geschäftsführer von Firma Sturm-Immobilien, gibt es zum Immobilienerwerb heute keine Alternative. Bei einem Neubau sei derzeit zwar nur eine Rendite von vier Prozent zu erwarten, sagt er, doch welche Geldanlage garantiere gegenwärtig überhaupt noch einen solchen Zinssatz?
Rentierlicher für den Besitzer werde ein vermietetes Objekt zudem, wenn die Mieten wieder steigen. Damit rechnet Sturm angesichts gegenwärtig eher geringer Bautätigkeit in drei bis vier Jahren, wenn Wohnraum wieder etwas knapper wird. Argument drei für diese Kapitalanlage ist deckungsgleich mit dem Argument vieler Selbstnutzer: "Eine Immobilie bleibt, die nimmt einem keiner", sagt Sturm. Ein Wertverlust wie zuletzt bei den Aktien sei nicht zu erwarten. Und, so orakelt Sturm angesichts gegenwärtig großen Einfallsreichtums des Gesetzgebers weiter: "Wer weiß, was demnächst von seiner Lebensversicherung bleibt." Christoph Kleinau
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