Neuss (NGZ). Neuss Interessante Einsichten in die Hinterhof-Kultur von Neuss bieten sich denjenigen, die einen Blick auf die größte innerstädtische Baustelle werfen: Am Marienkirchplatz - zwischen Krefelder Straße und Bleichgasse - entsteht ein neues Wohnquartier, das die Innenstadt weiter mitLeben füllen soll.
Das wird allerdings noch dauern, momentan klafft eine große Lücke hinter den Häuserzeilen, gefüllt nur mit Baukränen, Containern und einigen verschämt in der Ecke stehenden neuen Wänden, aus denen einmal ein Wohnhaus erwachsen soll. Wer über die Krefelder Straße flaniert, merkt von all dem nichts, was sich hinter den Fassaden abspielt. Aber selbst diese werden nicht mehr allzu lange Bestand haben: Anfang 2008 werden die Häuser zwischen der Traditionsgaststätte „Im Kessel“ und dem Eckhaus Krefelder Straße/Marienkirchplatz allesamt der Abrissbirne zum Opfer fallen und Platz machen für die Neubaupläne des Architekturbüros Fritschi, Stahl, Baum (Düsseldorf).
Die Überschrift lautet „Stadterneuerungsquartier“. Hinter diesem etwas sperrigen Titel verbirgt sich ein Wohnungsbauprojekt, das mehr Leben in das Quartier an der Marienkirche bringen soll. Das citynahe Wohnen erscheint vielen Neussern so attraktiv, dass sich bereits „eine Vielzahl“ bei der Bauherrin, der Neusser Bauverein AG, haben vormerken lassen, wie Vorstandsvorsitzender Frank Lubig sagte. Der Bauverein wird in mehreren Bauabschnitten 132 Wohnungen errichten lassen. Entlang der Krefelder Straße werden 1000 Quadratmeter Gewerbe- und Ladenfläche entstehen. Alle Wohnungen werden barrierefrei gebaut, die Mieter können Serviceangebote über die Tochter des Diakonischen Werkes, Noah, erhalten. Das gesamte Bauvorhaben hat ein Volumen von 24 Millionen Euro.
Im ersten Bauabschnitt werden nach den Plänen des Architekturbüros Rohde, Kellermann, Wawrowsky aus Düsseldorf 72 Mietwohnungen einschließlich zehn eigenständigen Gruppenwohnungen mit Serviceangebot errichtet. Bauverein-Chef Lubig: „Nach derzeitigem Planungsstand können im Herbst 2008 die ersten Bewohner einziehen.“ An der Krefelder Straße wird der Bauverein Ende des Jahres die restlichen Grundstücke übernommen können, mit Ausnahme des Eckgebäudes, das (weiterhin) in privater Hand bleibt. Die Häuser bis zum „Kessel“ werden abgerissen, neu gebaut, wobei im gesamten Erdgeschossbereich Geschäfte vorgesehen sind. Laut Architekt Günter Baum werden die neuen Wohn- und Geschäftshäuser hinter einer farbig gestalteten Vor-Fassade um zwei Meter zurückliegen.
In einem weiteren Bauabschnitt werden in dem denkmalgeschützen Rheinlandgebäude, das 1906 von dem Neusser Versicherungsunternehmen bezogen wurde, durch das Büro RKW 30 Wohnungen geplant. Lubig: „Ein anspruchsvolles Vorhaben, das wir Anfang kommenden Jahres beginnen und bereits Ende 2008 abschließen wollen.“ Den Mittelpunkt des neuen Quartiers bilden zwei Innenhöfe, mit Grün und Kinderspielplätzen. Das Projekt kann zügig in Angriff genommen werden, weil bei den archäologischen Ausgrabungen im Hofbereich keine bedeutenden Funde ans Tageslicht kamen. Frank Lubig: „Selbst der Weinkeller, den die Vorstände der Rheinland damals angelegt hatten, war bereits vollständig geplündert.“
Am Dienstag in der NGZ: Interview Herbert Napp
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