Neuss (NGZ). Der Umbau für das Jüdische Gemeindezentrum im Neusser Norden soll noch in diesem Jahr erfolgen. Die Pläne sind genehmigt, die Finanzierung (fast) gesichert. Wunschtermin für die Eröffnung der Synagoge ist der 9. November.
Kein Symbol am Tor deutet auf den etwas versteckt liegenden Eingang des jüdischen Gemeindezentrums an der Leostraße hin. Umgeben von Schulhöfen, Sportplatz und einer Jugendeinrichtung liegt das Gebäude, in dem die katholische Kirchengemeinde Heilig Geist zuvor einen dreigruppigen Kindergarten unterhielt, jetzt ruhig in der Vormittagssonne.
Nachmittags geht es dort lebhafter zu: Dann gibt es Freizeitangebote und Hebräischkurse für Kinder. "Gesellschaftliches Leben findet statt, aber wir können nicht richtig loslegen", bedauert Michael Szentei-Heise, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, zu der die 600 Menschen jüdischen Glaubens im Rhein-Kreis gehören.
Promenadenstraße
1938 Am 9. November kommt es deutschlandweit zu Übergriffen gegen Juden und jüdische Einrichtungen. Auch die Neusser Synagoge von 1867 wurde zerstört.
1995 Nahe dem Synagogen-Standort wurde an der Promenade ein Mahnmal errichtet, das an die Opfer des Holocaust erinnert. Die Gedenkstätte hat der Neusser Künstler Ulrich Rückriem geschaffen.
Mit dem geplanten Umbau des Gebäudes, das die Jüdische Gemeinde im Sommer 2008 ankaufte, könnte begonnen werden: Die Pläne sind genehmigt. Doch die Gemeinde wartet auf die Finanzierungszusage des Landes für die mit rund 400 000 Euro veranschlagten Sicherheitsmaßnahmen.
"Ein Gutachten der Polizei liegt zur Unterschrift bei der Kreisbehörde", weiß Szentei-Heise, der "täglich" mit einem positiven Bescheid rechnet. "Wir leben im Jahr 5760", sagt er in Anspielung auf die jüdische Zeitrechnung, "was machen da anderthalb Jahre mehr oder weniger aus?" Schon bald nach Ostern könnten die Arbeiten starten: Wände sollen versetzt werden, eine Synagoge mit 70 Plätzen entstehen, die bei größeren Veranstaltungen um zusätzliche Räume erweitert werden kann. "Multifunktional" soll alles sein, um den unterschiedlichen Anforderungen eines Gemeindelebens auf wenigen hundert Quadratmetern gerecht zu werden. Mit sechs Monaten Bauzeit rechnet Szentei-Heise, dessen Wunschtermin für die Eröffnung der Synagoge der 9. November ist.
Ausgerechnet ein so bedrückendes Datum, der Jahrestag der Reichspogromnacht? "An einem 9. November wurde die alte Synagoge zerstört, da wäre es doch schön, wenn an einem 9. November eine neue eröffnet wird", findet der Jurist. Nicht zuletzt Sicherheitsaspekte waren es jedoch, die nach jahrelanger Suche gegen "viel exponiertere Grundstücke" und für die Lösung Leostraße sprachen.
Da die Stadt Neuss der jüdischen Gemeinde den Erlös aus dem Grundstücksverkauf des früheren Rheinischen Landestheaters an der Drususallee zugesprochen hatte, stand die Finanzierung inklusive dem etwa 300 000 Euro teuren Umbau auf soliden Füßen. Noch ist das jüdische Gemeindezentrum ein Provisorium. Doch ebenso wie der Ausbau des Gemeindezentrums voran geht, könnte aus der Filiale der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf im Rhein-Kreis eines Tages auch wieder eine eigenständige Gemeinde werden. "Das ist beabsichtigt", bekräftigt Szentei-Heise, "aber ob in fünf, zehn oder zwölf Jahren, wird man sehen." Dann würde das Jahr 5772 geschrieben . . .
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