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Neuss: „Neuss gibt Originalität auf“

VON HELGA BITTNER - zuletzt aktualisiert: 20.12.2006 - 10:03

Neuss (NGZ). Neuss Auch die „Musikpflege“, so die Bezeichnung der Verwaltung, bleibt von Zuschusskürzungen nicht verschont. Mit 273 300 Euro schlägt sie zu Buche, davon entfallen 259 200 Euro auf die Deutsche Kammerakademie (DKN), 14 100 Euro auf die Finanzierung der Kirchenmusikwoche und den Kompositionspreis der Stadt Neuss, der alle zwei Jahre vergeben wird.

Die Kleuker-Orgel in der Christuskirche war das erste Instrument, auf dem das für Neuss geschaffene Werk des renommierten Kirchenmusikers und Kompositionspreisträgers Oskar Gottlieb Blarr gespielt wurde - im Rahmen der Kirchenmusikwoche 2005. 
 Foto: NGZ
Die Kleuker-Orgel in der Christuskirche war das erste Instrument, auf dem das für Neuss geschaffene Werk des renommierten Kirchenmusikers und Kompositionspreisträgers Oskar Gottlieb Blarr gespielt wurde - im Rahmen der Kirchenmusikwoche 2005. Foto: NGZ

 Schon ab dem kommenden Jahr soll der Etatposten um 5000 Euro verringert werden - ein Minus, das dann noch allein die DKN auffangen muss, denn der Kirchenmusikwoche soll nicht ausgerechnet im 50. Jahr ihres Bestehens das Aus bekommen.

Auch 2008 genießt die von der Stadt, der evangelischen und katholischen Kirche sowie der Robert Schumann Hochschule getragene Musikreihe noch Bestandsschutz - vor allem wohl deswegen, weil der zurzeit ausgeschriebene Kompositionspreis dann vergeben wird. Die DKN wird wiederum mit 5000 Euro weniger bedacht, und an dieser Kürzung wird nach der derzeitigen Planung bis 2010 festgehalten.

Dass die Einsparsumme dennoch ab 2009 mit insgesamt 21 600 Euro berechnet wird, liegt einzig daran, dass der Zuschuss für die Kirchenmusikwoche dann auf Null gesetzt und auch kein Kompositionspreis mehr ausgeschrieben wird. „Der Wegfall der städtischen Förderung könnte im schlechtesten Fall zur Reduzierung oder zur Aufgabe der Kirchenmusikwoche führen.

Der Fortfall des kirchenmusikalischen Kompositionspreises wirkt sich auf das Renommée der Stadt aus“, mutmaßt die Verwaltung und wird dabei vor allem bei letzterem von den beiden Kantoren Joachim Neugart (Quirinusmünster) und Michael Voigt (Christuskirche) bestätigt. „Der Kompositionspreis ist eine einzigartige Sache“, sagt Neugart, „bringt der Stadt weit über die Stadtgrenzen hinaus große Beachtung“. Und auch Voigt weiß: „Die Preisträger sind renommierte Kirchenmusiker ihre Werke machen ihren Weg durch die ganze Welt - immer mit dem Zusatz versehen ,komponiert für die Stadt Neuss’“.

Dass man diese Auszeichnung aus finanziellen Gründen aufgeben könnte, ist beiden absolut unverständlich, aber auch auf die drohende Aufgabe der Kirchenmusikwoche reagieren sie abwehrend. Joachim Neugart, für die katholische Kirche an der Planung der Kirchenmusikwoche beteiligt, zeigt sich gar überrascht: „Uns ist nichts dergleichen signalisiert wurden, als wir über die Gestaltung des Jubiläumsjahrs gesprochen haben.“

Zudem kann er nicht verstehen, dass eine Einrichtung aufs Spiel gesetzt wird, für die „es bundesweit keine Parallele gibt“. Neuss, so der Musiker weiter, gebe damit „unnötig seine Originalität auf“. Zudem wundert sich Neugart darüber, dass in einer Stadt, die sich auf die Verbindung zur Kirche etwas zugute hält, eine Veranstaltungsreihe aufgeben will, die „Kirchenmusik dort unterstützt, wo sie hingehört - in den Gottesdienst.“ Das mache die Stadt schließlich zu etwas Besonderes.

Michael Voigt betont zudem die Bedeutung der Musikreihe für die Ökumene: „Die Kirchenmusikwoche ist da im kirchlichen Neuss wie ein Leuchtturm“, sagt er, „ihn aufzugeben wäre kontraproduktiv“.

DKN braucht Sponsoren

Mit 5000 Euro weniger ist die Deutschen Kammerakademie zwar nicht gerade an ihrer Existenz bedroht, aber in ihrem Etat steigert sich der Verlust auf 15 000 Euro. „Ich mache aus einem Euro, den ich an Zuschuss bekomme, über Sponsoren- und andere Unterstützung drei“, erklärt DKN-Intendant Matthias Gawriloff die Rechnung, gibt aber auch zu: „Wir können damit leben.“ Aber auch er hat bislang keine konkreten Sparvorhaben genannt bekommen und warnt grundsätzlich: „Das Eis unter unseren Füßen ist äußerst dünn.“

Die Kürzung des städtischen Zuschusses bedeutet für ihn, sich noch mehr um finanzielle Alternativen bemühen zu müssen, denn seine Planungen schließen schon die Spielzeit 2008/09 ein. Der Musiker und Vater von zwei Kindern macht sich indes prinzipielle Sorgen über die Folgen der Einsparungen, die alle Bereiche der Bildung umfassen. „Wir steuern in eine Bildungskatastrophe“, befürchtet er und zitiert einen Satz, das zwar aus einem Film stamme, aber die Sache treffe: „Wir treiben in einem Boot auf dem Ozean und werfen die Ruder weg.“

Quelle: NGZ


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