Neuss (NGZ). Das Neusser Bürger-Schützenfest lebt gerade von den Geschichten, die die Schützen, ihre Röskes und die Besucher erlebt haben. Einige Leser haben diese Geschichten auf dem blauen NGZ-Sofa erzählt und ihre Erinnerungen geteilt.
Dass jeder Neusser seine ganz eigene Erinnerung ans Schützenfest hat, dürfte nicht übertrieben sein – zu wichtig ist das Fest für die Identität der Neusser, zu sehr freuen sich Bürger der Quirinusstadt das ganze Jahr über auf ihr Fest. Deshalb hat die NGZ ihre Leser dazu aufgerufen, von ihren Erinnerungen zu erzählen.
Da war unter anderem der Neusser Karikaturist Wilfried Küfen, der seit zwei Jahrzehnten die Schützenfest-Plakate zeichnet. Küfen erzählte auf dem blauen NGZ-Sofa, warum er auf einer seiner Karikaturen dem Tambourmajor den Stab in die falsche Hand gezeichnet hat, obwohl er selbst jahrelang als Lyra-Spieler direkt hinter dem Major marschierte und es hätte besser wissen müssen.
Auf dem blauen NGZ-Sofa saß aber auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete Dr. Heinz Günther Hüsch, der einige seiner Erinnerungen im Bild mitbrachte. Auf einem zu sehen: Hüsch mit einer schlanken Blondine im Arm. Er in schnieker Uniform und mit Sonnenbrille, sie mit engem weißen Rock, himmelblauer Bluse und frisch gelegter Dauerwelle. Bei der hübschen Blondine handelte es sich um Deutschlands erste Bundestagspräsidentin Annemarie Renger, die das Neusser Bürger-Schützenfest mehrfach besuchte – und dort auf ihren Wahlkreis-Gegenkandidaten für den Bundestag traf, auf Hüsch. Trotz aller politischer Konkurrenz begegnete man sich beim Schützenfest stets freundlich – „auch das zeichnet dieses Fest aus“, erzählt Hüsch auf dem blauen NGZ-Sofa.
Eine der schillerndsten Personen, die auf dem Sofa Platz nahm und dort von ihren Erinnerungen erzählte, war Josi Mühleis, ehemalige Schützenkönigin 1995/96. Auffällig in ihrem Fotoalbum: Josi Mühleis gibt es beim Neusser Schützenfest niemals ohne Hut und immer nur in modischen Eigenkreationen – gern würde sie auch andere Schützenköniginnen bei der Kleiderauswahl beraten.
Auch die Neusserin Katharina Kallen erinnerte sich auf dem blauen NGZ-Sofa zurück – an ein Schützenfest kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Regeln anders waren. Der Zugkönig durfte nicht durch Schießen ermittelt werden, sondern wurde ausgekegelt. Frauen konnten teilnehmen, ihre Punkte wurden ihren Männern gutgeschrieben.
Einen musikalischen Rückblick auf das Neusser Bürgerschützenfest unternahm Thomas Klann, Ehrenvorsitzender des Bundesfanfarenkorps Neuss-Furth. Wer uns heute mit den Hubertusschützen marschieren sieht, oder sich noch daran erinnern kann, dass wir davor mit den Grenadieren marschiert sind, der weiß vielleicht gar nicht, dass unsere Anfänge bei den Scheibenschützen liegen", erzählte Klann. Seine Fotos, die er zum Talk mitgebracht hat, zeigen den ersten Auftritt beim Bürger-Schützenfest 1954. Damals wurde nur mit Fanfaren gespielt - ohne Trommeln, Trompeten oder andere Begleitung. So marschierten die Fanfarenspieler 1954 an Schützenkönig Hermann Wilhelm Thywissen.
Piet van Opbergen hat eine besondere Beziehung zum heutigen Schützenkönig Dr. Joachim Goetz: Van Opbergens Eltern waren im Jahr 1965 das Königspaar und wohnten damals im gleichen Haus am Linnéplatz 17, in dem heute Joachim und Heidi Goetz leben. Van Opbergen zeigte auf dem Sofa ein Foto vom Empfang der Hofdamen im heimischen Wohnzimmer und stellte die These auf: Das Haus dürfte das einzige in ganz Neuss sein, in dem zwei Schützenkönige aus dem gleichen Korps gelebt haben.
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