Neuss (NGZ). Michael Friederichs ist einer von fünf Qualitäts-Scouts bei den Stadtwerken. Als ehrenamtlicher Kundschafter nimmt er das Verhalten der Fahrer und der Fahrgäste, den Zustand der Busse und der Haltestellen unter die Lupe.
Wenn Michael Friederichs morgens im Bus zur Arbeit nach Düsseldorf fährt, dann fährt der IT-Techniker nicht einfach nur Bus. Michael Friederichs beobachtet. Den Fahrer, die Fahrgäste, die Fahrkartenstempelautomaten, den Fußboden, die Sitzpolster. Was ihm negativ auffällt, merkt sich der 26-Jährige und trägt es später in einen Meldebogen ein. Den schickt er dann an die städtischen Verkehrsbetriebe, in diesem Fall die Stadtwerke Neuss (SWN).
Seit 2007 sind im Bereich des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR) ganz normale Bus- und Bahnvielfahrer als so genannte Qualitäts-Scouts unterwegs. Ihre Aufgabe: Augen und Ohren nach Missständen im öffentlichen Personennahverkehr offen zu halten. Auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder ins Kino fallen den Prüfern im Idealfall defekte Automaten oder Lampen in einer der elf Neusser Buslinien auf.
Erfahrenes Team
18 Qualitäts-Scouts haben 2007 bei den SWN angefangen. Mittlerweile gibt es nur noch fünf. Für Neuss sei das die optimale Zahl, sagt Jörg Steinfort, Leiter Vertrieb/Marketing.
Wichtigstes Einstellungskriterium für die Ehrenamtlichen: die regelmäßige Nutzung des ÖPNVs.
Mindestens einen Meldebogen pro Quartal füllen die Scouts aus.
Sie sehen Schmutz in Fahrzeugen und an Haltestellen, hören, ob Durchsagen verständlich sind, und achten darauf, wie die Stadtwerke-Mitarbeiter auftreten. Fünf dieser Amateur-Kontrolleure gibt es derzeit in Neuss. Michael Friederichs ist einer von ihnen. Geld bekommt der 26-Jährige für seine "Observierungen" nicht.
Als die NGZ Ende Januar über negative Erfahrungen von Lesern mit der Düsseldorfer Rheinbahn und Bussen der SWN berichtete, meldete sich der ehrenamtliche Kontrolleur zu Wort. Detlef Sievers und Cornelia Loosen aus Neuss schilderten in Briefen an die Redaktion zwei Fälle, in denen Busfahrer der SWN Fahrgäste bewusst an Haltestellen stehen gelassen haben sollen.
"So etwas", sagt Friederichs, "kommt tatsächlich hin und wieder vor." Er selber habe beobachtet, wie ein Fahrer am Neusser Bahnhof ohne Rücksicht auf Wartende losfuhr, um an der nächsten Kreuzung die Türen für seine Verwandten zu öffnen. "Das", sagt der Qualitäts-Scout, "geht selbstverständlich nicht. Allerdings gibt es auch Fahrgäste, die sich daneben benehmen. Die meisten Busfahrer kennen mich mittlerweile und finden gut, was ich tue."
Dass sich die Anwesenheit eines Qualitäts-Scouts auf die Freundlichkeit der SWN-Mitarbeiter auswirkt, glaubt Friederichs nicht. Bei den Stadtwerken jedenfalls ist man mit den Ergebnissen seiner Arbeit zufrieden. Auf die Meldungen der Scouts, heißt es, werde sofort reagiert. "Es gab damals, als mit Plakaten in Bussen für den Job geworben haben, viele Sachen, über die ich mich als ÖPNV-Nutzer geärgert habe", sagt Michael Friederichs. "Den Gedanken, daran selber etwas ändern zu können, finde ich gut."
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