Neuss (NGZ). Wenn die Schüler der Albert-Schweitzer-Schule die Toilette benutzen wollen, brauchen sie seit einigen Wochen einen Chip, um die Tür öffnen zu können. Damit soll verhindert werden, dass Fremde dort hineingehen.
Für den sechsjährigen Moritz ist es längst selbstverständlich. Wenn der Schüler der 1b der Albert-Schweitzer-Schule während der Schulstunde auf die Toilette muss, bekommt er von seiner Lehrerin einen Chip an einem Schlüsselband. Den braucht er, um die Tür zur Toilette öffnen zu können. "Von innen lässt sich die Tür so öffnen", erklärt Schulleiterin Andrea Knopper. Das sei auch aus brandschutzrechtlichen Gründen notwendig. Doch wer 'rein will, braucht den Chip.
"Das ist eine reine Sicherheitsmaßnahme", erklärt Knopper. "Denn wie in vielen anderen Schulen auch, liegen unsere Toiletten außerhalb des Schulgebäudes. Und da können leicht Fremde auf das Gelände und die Toiletten gelangen." Aufgeschreckt waren bereits vor anderthalb Jahren einige Eltern, als sie aus Zeitungsberichten erfuhren, dass sich irgendwo in Süddeutschland ein Mann auf der Mädchentoilette versteckt und Schülerinnen belästigt hatte. Und erst vor wenigen Wochen gab es solch einen Vorfall in Bochum.
Schule in Zahlen
Schüler 292
Lehrer 16
Klassen 12 (dreizügig)
Träger Stadt Neuss
Einzugsbereich Reuschenberg und Selikum
Besonderheit zwei Ganztagsklassen, naturwissenschaftlicher Schwertpunkt
Adresse Tulpenstraße 66
Telefon 02131 745891
Daraufhin wandte sich Torsten Knopf an Andrea Knopper. Denn der Vater eines Schülers ist gleichzeitig auch Mitinhaber einer Firma für Sicherheitstechnik. "Natürlich hatte ich eine Idee, wie man die Türen sichern könnte." Veränderungen an Schulanlagen bedürfen der Genehmigung des Gebäudemanagements als deren Eigentümer. "Mit einigen Auflagen wurden die Veränderungen genehmigt", sagt Reiner Hahn, stellvertretender Leiter des städtischen Schulverwaltungsamtes. So war zwar die Genehmigung da, doch Geld gab es nicht. "Daraufhin haben wir uns entschlossen, die alten Türverschläge kostenlos gegen die elektrischen Beschlagsysteme zu tauschen", teilt Torsten Knopf mit. Pro Tür hätten die Veränderungen einschließlich 25 Chips 680 Euro gekostet.
"Wir sind mit dem Ergebnis total zufrieden", sagt die Schulleiterin. Auch seien die zahlreichen Toilettengänge während der ersten "Chip-Woche" wieder zurückgegangen. Ein angenehmer Nebeneffekt: Die Toiletten seien nun auch sauberer. "Eine tolle Idee", findet auch Reiner Hahn. Doch er weiß nur zu gut, dass so etwas nur auf Eigeninitiative der Eltern oder mit Hilfe des Fördervereins in die Tat umgesetzt werden kann. Auch für Reparaturkosten müsse die Grundschule selbst aufkommen.
Während der Pausen – von 9.35 bis 9.55 und von 11.30 bis 11.45 Uhr – sind die Toiletten durchgehend geöffnet. "Das lässt sich problemlos programmieren", erklärt Torsten Knopf. Verloren gegangene Chips können ersetzt werden, das Stück kostet fünf Euro. Doch die Befürchtung, dass innerhalb kürzester Zeit, viele fehlen werden, hat Andrea Knopper nicht: "Zum einen hängen sie an einem Band, zum anderen achten die Lehrerinnen darauf, dass sie nach dem Toilettengang wieder an ihren Platz kommen.
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