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Neuss: Offen für Kinder und Eltern

VON KLAUS D. SCHUMILAS - zuletzt aktualisiert: 01.06.2006 - 21:30

Neuss (NGZ). Norf An der Haustür hängt das Schild: „Kindertagesstätte Norfbachaue der Johanniter“. Weit und breit kein Hinweis darauf, dass diese Einrichtung etwas Besonderes ist. Ausgewählt vom NRW-Familien-Ministerium, das landesweit mit 250 Kindertagesstätten im Landesprojekt „Familienzentrum NRW“ startet. „Das Gütesiegel bekommen wir bestimmt“, ist Leiterin Birgit Mayer überzeugt. „Wir arbeiten doch schon seit Jahren wie ein Familienzentrum.“

Die stellvertretende Leiterin Eva Brandt-Zielinski mit Kindern aus der „grünen Gruppe“ , die einen kleinen Zoo aufgebaut haben. Die Kindertagesstätte soll binnen eines Jahres zum Familienzentrum entwickelt und offiziell anerkannt werden.  Foto: Woi
Die stellvertretende Leiterin Eva Brandt-Zielinski mit Kindern aus der „grünen Gruppe“ , die einen kleinen Zoo aufgebaut haben. Die Kindertagesstätte soll binnen eines Jahres zum Familienzentrum entwickelt und offiziell anerkannt werden. Foto: Woi

Genau 1 004 Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen haben sich für diesen Wettbewerb beworben, 250 wurden in das Landesprojekt aufgenommen. „Wir haben nach Aussage des Ministeriums alle erforderlichen Kriterien erfüllt“, sagt Birgit Mayer.

Die Entwicklung von der normalen Kindertagesstätte hin zu einem Familienzentrum sollen vier weitere Einrichtungen im Rhein-Kreis vollziehen: Das Kinderzentrum im Drei-Generationen-Haus in Weckhoven, das „Traumzauberhaus“ in Grevenbroich, die „Rappelkiste“ in Dormagen sowie der katholische Martinus-Kindergarten in Kaarst.

Sie mussten darlegen, dass sie die regulären Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsangebote einer Kindertageseinrichtung bereithalten, dass sie bei der Vermittlungen von Tagesmüttern und -vätern Unterstützung leisten, dass eine vorschulische Sprachförderung anbieten sowie mit örtlichen Familienberatungsstellen, den Familienbildungsstätten sowie anderen Einrichtungen der Familienhilfe kooperieren. „Darüber hinaus war uns die Verankerung der Kindertageseinrichtung vor Ort wichtig“, sagte NRW-Minister Armin Laschet.

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 Familienzentrum

Bereits bestehende Strukturen in den Kindertageseinrichtungen sollen genutzt werden. Die ausgewählten Einrichtungen werden während der Umsetzungsphase durch professionelle Coaching-Teams, durch Fortbildungsangebote für Leitungskräfte und regionale Kompetenzteams in ihrer praktischen Entwicklungsarbeit unterstützt. Während dieser Phase werden fachliche Standards für ein Gütesiegel „Familienzentrum“ erarbeitet, die allen erfolgreich arbeitenden Piloteinrichtungen verliehen wird. Die besten 25 Einrichtungen werden durch eine unabhängige Jury ermittelt und im Sommer 2007 mit einem Geldpreis prämiert.

Geld fließt keines. Jedenfalls nicht direkt in die Einrichtungen. Das Ministerium stellt für ein Jahr 2,5 Millionen Euro bereit und richtet so genannte Kompetenzteams ein. Fachleute, die in den Kindertageseinrichtungen vor Ort mit Rat und Tat zur Verfügung stehen. Ob diese Fachleute den Mitarbeiterinnen in der „Norfbachaue“ viel Neues erzählen können? „Mal abwarten“, sagt Birgit Mayer.

 „Wir freuen uns zunächst einmal, dass wir dabei sind.“ Seit elf Jahren besteht die Einrichtung an der Straße An der Norf in Norf-Derikum. Es war damals die erste Kindertagesstätte, die die Johanniter in Nordrhein-West in ihrer Trägerschaft errichtet hatten. Seit Jahren beziehen Mayer und ihre sieben Kolleginnen die Eltern und andere Träger in ihre Arbeit mit ein. Sichtbarster Beleg ist das stets gut frequentierte, von 16 bis 18 Uhr geöffnete Eltern-Café.

Als Familienzentrum wird eine Kindertagesstätte zu einem offenen Haus. „Wir nehmen die komplette Familie in den Blick, schaffen Angebote auch für die Eltern. Die Kurse, wie zum Beispiel ,Starke Eltern - starke Kinder’ liegen meist am Nachmittag, so dass auch berufstätige Mütter und Väter Gelegenheit haben, sie zu nutzen. Was auch geschieht.“

 Ein Höhepunkt aus Sicht der Erzieherinnen und sichtbares Zeichen für ein gutes, integratives Miteinander war im vergangenen Herbst das „Ramadan-Essen“, das türkische Eltern in der Kindertagesstätte organisiert hatten und an dem viele Eltern mit großer Begeisterung teilnahmen.

Die Hälfte der 65 Kinder, die in der schmucken Einrichtung in drei Gruppen untergebracht sind, besitzen nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Deshalb wird das Thema Sprachförderung groß geschrieben. „In jeder Gruppe gibt es als Konzeption die Wortschatz-Erweiterung, ebenso das Programm Hören-Lauschen-Lernen. Wir arbeiten darüber hinaus eng mit einer Logopädin zusammen.“

Jutta Schneider, Elternratsvertreterin und selbst Erzieherin, bietet für die Kleinen den Kursus Englisch für Vorschulkinder an. Auf Elternabenden, wie in dieser Woche, werden die anderen Kindertagesstätten in Norf und die Geschwister-Scholl-Grundschule miteinbezogen. „Wir wollen keinen Konkurrenzkampf“, sagt Birgit Mayer, „sondern unsere Angebote sollen für den ganzen Stadtteil sein.“

Quelle: NGZ


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