Neuss (NGZ). Heute beginnt bei den olympischen Winterspielen in Vancouver der Curling-Wettbewerb. Wer keine Ahnung hat, was die Sportler mit ihren Feudeln auf dem Eis treiben, sollte die Internetseite von Markus Sticker besuchen.
Ob Markus Sticker zu Hause ungern feucht durch wischt, ist nicht bekannt. Aufs Eis hat sich der Neusser bislang jedenfalls nur einziges Mal mit einem "Feudel" gewagt. Die private Trainingsstunde bei Curling-Bundestrainer Oliver Axnick ist dem 50-Jährigen in Erinnerung geblieben: "Dieser Sport", sagt er, "kommt im Fernsehen immer so harmlos rüber. Dabei steckt hinter dem ganzen Schieben und Wischen richtig harte Arbeit – körperlich und vor allem mental."
Wischen beeinflusst die Laufbahn
Curling ist seit den Winterspielen 1998 in Nagano eine olympische Sportart. Zwei Mannschaften zu je vier Spielern versuchen, ihre ufo-artigen Curlingsteine näher an den Mittelpunkt eines Zielkreises auf einer Eisbahn zu schieben als die gegnerische Mannschaft – ähnlich wie beim Boccia-Spiel. Durch das Wischen des Eises mit einem Besen kann die Laufbahn des Steins – Länge und Richtung – beeinflusst werden. Markus Sticker sagt: "Das wirkt oft skurril, ergibt aber Sinn."
Auf der zweisprachigen (Deutsch und Englisch) Internetseite www.curlingsbasics.com, die vom Deutschen wie vom internationalen Curling-Verband unterstützt wird, erklärt der Neusser Computer-Spezialist, der eigentlich im öffentlichen Dienst arbeitet, was wie und warum beim Curling funktioniert. Die Besucher können in einer alphabetischen Stichwortliste nach Antworten suchen, oder ihre Fragen direkt an Sticker richten. "Was ich nicht selber beantworten kann, leite ich direkt an die Leute beim Deutschen Curling-Verband weiter", sagt er. "Mit Bundestrainer Oliver Axnick und Nationalspieler Holger Höhne stehe ich in engem Kontakt."
Bei den olympischen Winterspielen in Turin im Jahr 2006 wurden auf Stickers Internetseite jedenfalls innerhalb von zwei Wochen mehr als 500 000 Besuche verzeichnet. Damals, glaubt Sticker, sei auch bei den Deutschen vorübergehend so etwas wie eine Curling-Begeisterung ausgebrochen. "Eigentlich", sagt er, "ist der Sport aber eher in Kanada, Schottland, Skandinavien und in der Schweiz populär.
Das "Recht des letzten Steins"
Seine eigene Leidenschaf für das Spiel entdeckte der 50-Jährige 2001, als seine Tochter Mitglied im Düsseldorfer Curling Club war. "Ich hab' mir das nötige Fachwissen angelesen und auf eigene Faust eine Seite ins Netz gestellt", erinnert sich Sticker. "Der Deutsche Curling-Verband kam daraufhin auf mich zu. Seinerzeit gab es noch keinen professionellen Internet-Auftritt."
Was Curling-Zuschauer auf jeden Fall kennen sollten, findet Sticker, sei das "Recht des letzten Steins". "Es ermöglicht einem Team, am Schluss noch einen Punkt zu erzielen. Im Spielverlauf hat immer diejenige Mannschaft das Recht, die den vorherigen Spielabschnitt – End genannt – verloren hat. Curling ist eben ein vornehmlich taktisches Spiel."
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