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Neuss: Originell und witzig

VON ANNA SCHNÜRCH - zuletzt aktualisiert: 31.03.2008 - 21:30

Neuss (NGZ). Neuss Es ist recht mutig, einen Bestseller auf die Bühne zu bringen. Es ist recht mutig, aus einem Buch von über 500 Seiten ein Theaterstück zu machen. Und es ist recht mutig, die Fortsetzung eines sehr gelungenen Stückes zu wagen und unweigerlich den vielleicht harten Vergleich mit sich selbst zu ertragen. Der junge Regisseur Stefan Filipiak hat ebendiesen Mut bewiesen: Er verwandelt das phantastische Kinderbuch „Tintenblut“ der deutschen Autorin Cornelia Funke in ein originelles, witziges und spannendes Theaterstück für Zuschauer ab acht Jahren.

Meggie (Laura Schürmann) kann gar nicht aufhören zu lesen - mit der Folge, dass sie direkt im „Tintenblut“ landet.  Foto: NGZ
Meggie (Laura Schürmann) kann gar nicht aufhören zu lesen - mit der Folge, dass sie direkt im „Tintenblut“ landet. Foto: NGZ

Vor beinahe drei Jahren hatte er selbst die Messlatte hoch angelegt, als ihm mit „Tintenherz“ eine tolle Umsetzung des Romanstoffes gelang. Aber seine zweite Inszenierung hält dem Vergleich stand. Denn obgleich einiges anders ist als beim ersten Stück, konnten Filipiak und sein junges Schauspieler-Team sämtlichen jungen und älteren Gäste bei der Premiere rauschenden Applaus entlocken.

Fünf Darsteller und dreizehn Figuren - ist das möglich? Es ist, wie Laura Schümann (Meggie), Anke Jansen (Basta), Dennis Palmen (Farid), Wolfgang Nawrot (Mo und Fenoglio) und Halil Yavuz (Staubfinger) beweisen. Es ist sogar möglich, zwei Figuren, die von einem Schauspieler dargestellt werden, in einer Szene auftreten zu lassen! Halil Yavuz, der im Sekundentakt zwischen Bösewicht Natternkopf und Opportunist Rußvogel hin und her springt, verdient für seine drei Rollen ein großes Lob, denn er schenkt ihnen Lebendigkeit und Charakter. Gleiches gilt für Laura Schümann, die eine pfiffige Meggie und einen komischen Soldaten verkörpert; die Rolle des Farid scheint Dennis Palmen wie auf den Leib geschneidert.

Die Geschichte um das Mädchen Meggie und ihren Vater Mo, die sowohl Figuren aus Büchern heraus-, als auch sich selbst in Bücher hineinlesen können (veröffentlicht 2003), lebt nicht nur von ihrer großartigen Phantasie, den einzigartigen Figuren, sondern auch von ihrem Witz. Den fangen die Schauspieler wunderbar ein und bringen das Publikum des öfteren zum Lachen. Zugleich offenbart sich leise eine gewisse Selbstironie des Teams, die höchst erfrischend ist.

So hat man Dennis Palmen für die Rolle der kleinen Prinzessin Violante bestimmt, und der Laienschauspieler vollbringt eine gelungene Gradwanderung zwischen Komik und nötiger Ernsthaftigkeit. Anke Jansen schafft es, gleich vier verschiedene Personen zu sein, und keine gleicht allzu sehr der anderen. Eine Differenzierung ist auch für Wolfgang Nawroth nicht einfach, denn seine beiden Rollen - Mo und Fenoglio - weisen durchaus Parallelen auf. Doch Nawroth meistert dies scheinbar mühelos.

Clever übrigens von Filipiak, ein spartanisches Bühnenbild (Nina Knevels) zu wählen: So lässt er der Phantasie der Kinder genug Freiraum und den schillernden Figuren sämtliche Aufmerksamkeit. Zu guter Letzt weben Musik und einige Töne aus dem Off einen passenden Teppich unter das Stück, das hoffentlich noch viele weitere junge Menschen anlocken wird.

Info

Blücherstraße 31, nächste Termine: Freitag, 4. April, 17 Uhr, Sonntag, 6. April, 15 Uhr, Kartentelefon 0 21 31 / 27 74 99

Quelle: NGZ


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