Neuss (NGZO). Wie fix reagieren Neusser Volksvertreter, wenn eine Bürgerin sie per E-Mail um einen dringenden, persönlichen Gesprächstermin bittet? Vom Bürgermeister bis zum Bundestagsabgeordneten – die NGZ hat den Test gemacht.
Die gute Nachricht vorab: Wer als Neusser Bürger ein Problem hat und sich per E-Mail an einen Volksvertreter wendet, mit der Bitte um einen dringenden, persönlichen Gesprächstermin, der hat in den meisten Fällen gute Chancen auf schnelle, unbürokratische Hilfe. Oder zumindest auf ein offenes Politiker-Ohr. Um zu testen, ob und wie fix die Damen und Herren auf Gesprächs-Anfragen aus dem Volk reagieren, hat die NGZ zu einer kleinen Notlüge gegriffen. Mit folgendem Text wurden am Dienstagmorgen, gegen 9 Uhr, insgesamt neun Politiker verschiedener Parteien über das Internet kontaktiert: "Ich bin eine alleinerziehende Mutter und stecke in großen Schwierigkeiten. Nachdem man mich im Rathaus nicht gut behandelt hat, wende ich mich an Sie. Ich möchte Ihnen meine Probleme gerne persönlich schildern und bitte deshalb um einen Gesprächstermin mit Ihnen."
Auf die besagten neun Anfragen gingen bis zum Redaktionsschluss gestern Abend sieben Antworten ein, allesamt am Dienstag und am Mittwoch, also innerhalb von zwei Tagen nach der Kontaktaufnahme. Der ein oder andere ließ sein Büro zurück schreiben. Zwei der Angeschriebenen reagierten überhaupt nicht: Helga Pollack, Vorsitzende der UWG, und Dr. Jörg Geerlings, CDU-Parteivorsitzender. Geerlings sei bis zum Donnerstagnachmittag zu einer Tagung unterwegs gewesen, hieß es gestern Vormittag aus der CDU-Zentrale in Neuss. Die E-Mail an Helga Pollack ging an die allgemeine Partei-Sammeladresse (info@uwg-neuss.de), sprach aber die Vorsitzende direkt an.
Den ersten Platz in Sachen Schnelligkeit belegte Dr. Heinrich Köppen, FDP-Fraktionsvorsitzender. Er antwortete exakt zwei Stunden und acht Minuten nach unserer Test-Mail am Dienstagmorgen und teilte seine Telefonnummer zwecks "Rücksprache und Terminvereinbarung" fest. Thomas Nickel (CDU), stellvertretender Bürgermeister, meldete sich als zweiter. Auch er bot einen Gesprächstermin "in dieser Woche noch" an. Bürgermeister Herbert Napp ließ sein Vorzimmer antworten und bat um eine "kurze Erläuterung", damit das "Anliegen geprüft werden kann".
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