Landtagswahl (NGZO). Sollte die SPD nach der Landtagswahl die Regierung stellen, kann sich der Abgeordnete und ehemalige NRW-Innenminister Fritz Behrens vorstellen, die Kulturpolitik zu verantworten – möglichst in einem eigenen Ministerium.
Es hat ihn gegeben – den Punkt, an dem Fritz Behrens ernsthaft überlegt hat, auszusteigen. 2005, nach der verlorenen Landtagswahl, nach 28 Jahren in der Politik, davon acht Jahre als Regierungspräsident in Düsseldorf, weitere zehn als Minister in der Landesregierung: „Ich war 56 Jahre alt und habe ernsthaft überlegt, ob ich was anderes machen soll“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete. Dass er das Ministeramt verloren hat, habe eine Weiche gestellt, aber: „Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, weiterzumachen, weil ich glaube, noch viel beitragen zu können.“
Direkt nach dem Jurastudium (mit Promotion abgeschlossen) ist Behrens in den Staatsdienst eingestiegen. Wobei Begriff für ihn Programm ist: „Ich sehe mich als Diener des Staates“, sagt er entschieden, „er ist die Gemeinschaft der Menschen, ein Partner, der das Leben ein Stück menschlicher machen soll.“ Dabei hatte der gebürtige Göttinger „kleinen Verhältnissen“, Jura studiert, weil er in den Diplomatischen Dienst wollte.
Richter oder Anwalt zu werden, stand nie auf seinem Programm: „Denn ich wollte etwas bewirken und verändern.“ Die Möglichkeit bekam er, als er 1980 zunächst Hilfs- dann 1983 persönlicher Referent von NRW-Innenminister Herbert Schnoor in Düsseldorf wurde. „Schnoor“, so sagt er heute noch, „ist mein Lehrmeister in politischer Administration“.
Und bei Johannes Rau habe er seine Gesellenjahre gemacht. Einen normalen Arbeitstag habe er nie gehabt, sagt Behrens, aber dennoch kann man in der Antwort auf die nächste Frage nach dem Privatleben das Ausrufzeichen hören: „Hatte ich, war und ist mir sehr wichtig!“ So habe er sich bei Rau abends schon mal abgemeldet, um seine beiden Kinder (heute 34 und 31 Jahre) ins Bett zu bringen.
Als MdL hat sich Behrens auf die Themen konzentriert, denen auch privat sein großes Interesse gilt: Kultur und Sport. Er wurde Vorsitzender des Kulturausschusses im Landtag, hat „zwischen 30 und 35“ ehrenamtliche Funktionen, einen Lehrauftrag an der Heinrich-Heine-Universität (zu „Moderner Staat und bürgerliche Gesellschaft“, seinem zweiten großen Thema) und sagt trotzdem: „Jetzt ist mein Terminkalender erträglich.“
Das klingt nach Erleichterung, und nicht nach Anpeilen eines Amtes, wenn die SPD die Landesregierung stellen sollte, oder? Behrens lächelt. Justiz und Inneres, was er unter Wolfgang Clement und Peer Steinbrück verantwortet hat, käme nicht mehr infrage, Kultur jedoch schon. „Aber mindestens als Staatsminister“, sagt er entschieden, „ich halte es für richtig, für Kultur – vielleicht mit einem anderen Ressort zusammen – ein eigenes Ministerium zu schaffen.“ Würde er dafür auch eine rot-rot-grüne Regierung in Kauf nehmen? „Nein, da bin ich gegen“, kommt es knapp zurück.
In seiner Partei ist Behrens Vorsitzender des Forums Kunst und Kultur. Fünf Jahre noch, so stellte es sich der 61-Jährige vor, will er „kräftig mitmischen“, und danach machen, was er und seine Frau schon jetzt lieben: „Kulturelle Veranstaltungen aller Art und überall besuchen und auf kurze und weite Reisen gehen.“ Bis er 70 wird, so gesteht er lachend, will er auf jeden Fall in Australien gewesen sein.
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