Landtagswahl (NGZ). Die Neusser bekommen einen Landtagsabgeordneten geschenkt – und sind sich dessen noch nicht richtig bewusst. Für die Grünen tritt der Kaarster Hans Christian Markert (41) in Neuss an, dem zwar keine Chancen auf das Direktmandat eingeräumt werden, der aber aussichtsreich auf der Landesliste platziert ist: 8,6 Prozent für die Bündnisgrünen und er ist drin.
Wie kommt einer, der erstmals kandidiert, zu einem so guten Listenplatz? Der Politiker Markert hat Vergangenheit. Ein Blick auf seine Vita verrät, der vermeintliche Neuling ist ein alter Hase. Gleich zweifach machte sich Markert als Umwelt- und Energiepolitiker landesweit einen parteiintern guten Ruf. Erstens: Der Jurist arbeitete als Referent für die damalige Ministerin Bärbel Höhn und leitet heute das Referat für Nachhaltigkeitsstrategien und Umweltbildung im NRW-Umweltministerium. Zweitens: Seit 2007 ist Markert einer von zwei Sprechern der Landesarbeitsgemeinschaft Energie seiner Partei.
Warum bewirbt sich ein Kaarster in Neuss? Den Wahlkreis Rhein-Kreis Neuss III (Jüchen, Kaarst, Korschenbroich, Meerbusch) haben die Grünen mit dem Meerbuscher Landtags-Vizepräsidenten Oliver Keymis prominent besetzt. Um dort aufgestellt zu werden, hätte Markert die Kampfabstimmung suchen müssen. Da kam "das Angebot aus Neuss" gerade Recht. Markert ist im Zweifel pragmatisch, ein homo politicus durch und durch.
Seit 2000 lebt Markert im Rhein-Kreis, in Kaarst ist er jetzt mit Frau und zwei Kindern heimisch. Großgeworden ist er in Ostwestfalen. Das Elternhaus sei "politisiert" gewesen. Irgendwann habe er seinem Vater gesagt: "Die Flüsse sind hier nicht sauber, obwohl die SPD regiert." Die Umwelt- und die Friedensidee hätten ihn zu den Grünen gebracht. 25 Jahre ist das her.
Mit Markert, soeben in den Kreistag gewählt, betritt ein Mann die politische Kreis-Bühne, der aufhorchen lässt: eloquent, argumentationsstark, detailsicher, unerschrocken. Smart im Auftritt, moderat im Ton, hart in der Sache. "Warum soll man nicht nett miteinander umgehen, auch wenn man anderer Überzeugung ist", sagt er und kontert die Frage nach Schwarz-Grün: "Man soll nicht zusammenzwingen, was nicht zusammengehört."
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