Special (NGZ). Neuss „Na dann!“ In diesen beiden Worten kann alles liegen: Kampfgeist, Neugierde, Zaghaftigkeit, Wut und Aufmunterung. Und all das macht auch das Wesen des Mädchens aus, das eben diese Worte gerne im Munde führt. Vor allem, wenn der Vater warnt: „Hüte dich vor ...“ Aber sich im Hüten üben kann man eben nur, wenn man weiß, wie das aussieht, vor dem man sich hüten soll. Graugnome zum Beispiel, oder die Höllenschlucht. Na dann ... also macht Ronja sich auf in den Wald und muss schon bald erkennen, dass bei allem eigenen Mut manchmal nur die Hilfe eines Freundes einem aus der Patsche helfen kann.
Mit „Ronja Räubertochter“ ist Astrid Lindgren ein wunderschönes Buch über Freundschaft, Mut und Toleranz gelungen; Barbara Hass hat daraus eine überzeugende Bühnenfassung destilliert, und Regisseur Bernd Plöger zeigt nun, was die Inszenierung eines Romanstoffs bewirken kann: Man will das Buch wieder in die Hand nehmen und noch einmal (vor)lesen ... Nein, nicht weil seine Bearbeitung für das Rheinische Landestheater Wünsche offen lässt, sondern im Gegenteil: Die Bühnenversionen von Ronja, ihrem Vater Mattis, ihrem Freund Birk oder auch den merkwürdigen Rumpelwichten und den bösen Graugnomen sind so anregend gezeichnet, dass man sich gerne wieder in die Geschichte vertiefen möchte.
Was nicht zuletzt auch an den Schauspielern liegt. Carmen Betker ist als Ronja einerseits ein rechter Springinsfeld, mal voller Übermut und Lebensfreude, dann wieder nachdenklich und leise (letzteres manchmal allerdings zu sehr). Raik Singer spielt ihren Vater Mattis als liebenswerten, poltrigen und oftmals zu belächelnden Räuberhauptmann, ohne dass er seine Figur auch nur einmal zum Hanswurst macht. Tini Prüfert agiert als Ronjas lebensweise Mutter Lovis zurückhaltend und klug.
Tim Knapper gibt Ronjas Freund Birk aus der verfeindeten Borka-Sippe genau die richtige Dosis an Trotz, Zuneigung und Zuversicht. Auch die anderen Darsteller stehen in ihren jeweiligen Rollen den Hauptpersonen nichts nach: ob Aurel von Arx, Martin Skoda, Anas Ouriaghli oder Vera Kasimir - sie alle geben ihren Figuren große Lebendigkeit. Ihr genaues Timing im Spiel entspricht dem des Regisseurs beim Erzählen der Geschichte. Nach einem sanften Auftakt mit der Geburt Ronjas und den Veränderungen für das Räuberleben gewinnt die Geschichte an Fahrt und hält die Spannung sicher bis zum Schluss.
Ausstatterin Katharina Sichtling hat sich dafür ein auf den ersten Blick simples Bühnenbild einfallen lassen, das auf den zweiten seine Vielseitigkeit demonstriert. Die breiten wie Felsen aufgeworfenen Rechtecke sind alles - je nach Licht und Ton: der Wald im Frühling, die Mattisburg am Abend ... Und die Kostüme sind ebenso phantasievoll wie als Zitate stilsicher und treffend. Alles in allem lässt sich die Aufführung auch treffend mit zwei Worten aus Ronjas und Mattis Wortschatz charakterisieren: „Potz Pestilenz!“
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