Neuss (NGZ). Fremdenzimmer und -appartements sind eine preiswerte Alternative zur Hotelübernachtung und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gefragt. Neuss-Marketing startete deshalb eine Suche nach neuen Vermietern.
Zimmer frei: Gut 100 Familien und Privatpersonen in der Stadt bieten Gästen ein Nachtquartier. Zu wenig, wie die Stadtmarketing-Gesellschaft "Neuss-Marketing" meint. Denn in der Tourist-Info am Büchel stapeln sich die Anfragen. "Die Nachfrage ist deutlich angestiegen", berichtet Neuss-Marketing-Geschäftsführer Peter Rebig. Und um sie zu befriedigen, startete die Tourist-Info im Februar eine Werbekampagne. Bis jetzt meldeten sich 35 weitere Vermieter, die Gäste unter ihrem Dach aufnehmen wollen.
Wie viele Gäste in Neuss ihr müdes Haupt zur Ruhe betten, bildet zum Teil die Fremdenverkehrs-Statistik ab, die im Landesamt für Datenverarbeitung erstellt wird. Wie groß die Gästezahl aber tatsächlich ist, kann niemand sagen. Denn berichtspflichtig gegenüber dem Landesamt sind nur 24 Neusser Betriebe – die mit neun und mehr Betten. Die allermeisten Privatvermieter haben diese Größenordnung nicht. Sie werden nicht erfasst, auch nicht durch die Tourist-Info.
So werde ich Vermieter
Wer über die Tourist-Info gebucht werden möchte, muss sich dort melden. Es erfolgt eine Besichtigung, bei der ein Datenblatt zum Objekt erstellt wird. Auf Wunsch wird der Vermieter im Internet veröffentlicht. Bei der Preisgestaltung ist der Vermieter frei. Zehn Prozent davon berechnet die Tourist-Info als Vermittlungsgebühr.
Die konnte zwar im vergangenen Jahr 4500 Erstbuchungen vermitteln, doch das ist der kleinste Teil, vermutet Rebig. Ist nämlich der Kontakt erst einmal hergestellt, verhandeln Gast und Vermieter bei späteren Buchungen direkt. Wenn sie nicht schon bei der ersten Buchung über andere Kanäle in Kontakt gekommen sind. Zum Beispiel über das Internet.
Anders als etwa die Hotels, sind die Privatvermieter nicht so sehr vom Messegeschäft abhängig. Sie haben immer Konjunktur, weiß Isa Dheus, die Tourismusexpertin bei Neuss-Marketing. Denn ein Bett bei Privat ist mit 25 Euro pro Nacht deutlich kostengünstiger als im Hotel. Das nutzen zwar auch Messegäste, vor allem aber sind es Handwerker und Monteure mit – wenn überhaupt – kleinen Spesensätzen, die mit "Familienanschluss" buchen.
Die Gruppe der Gäste ist damit aber nur zum Teil abgebildet. Es gibt Neusser, die bei Familienfesten für auswärtige Verwandtschaft eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, Studenten, die bei Neusser Unternehmen ein Praktikum machen, oder Menschen, die für ein Vorstellungsgespräch schon am Tag zuvor angereist kommen.
Genau so bunt ist auch die Gruppe der Vermieter – und deren Motivation, Gäste aufzunehmen. Siegfried Bremer zum Beispiel hat in seinem haus an der Weinstockstraße die Zimmer hergerichtet, die bis vor drei Jahren sein Sohn bewohnte, Ursula und Norbert Funk von der Bergheimer Straße wiederum wollten interessante Menschen um sich haben. Wie vor Jahren, als sie eine Jugendherberge führten.
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