Neuss (NGZ). Raus aus dem Schaufenster, hinein in den Bunker: Bei der Eröffnungsaktion der "Neusser Räume" im Rathausbunker am Freitagabend werden spezial angefertigte Schaufensterpuppen der Firma Geuenich in Szene gesetzt.
Im Showroom der Firma Geuenich an der Osterather Straße hat es sich die kleine Familie auf dem Boden gemütlich gemacht. Die stumme und mit perfekten Körpermaßen ausgestattete Familie wurde für die "Bunkernacht" Freitagabend zurechtgemacht. Mit einem speziellen Rostüberzug wirken Mutter, Vater und Tochter wie aus einer längst vergangenen Zeit. Damit passen sie gut in den ehemaligen Atombunker des Rathauses, wo die "Neusser Räume" eröffnet werden. Denn auch der Bunker im Rathaus stammt aus einer längst vergangenen Abschnitt der Geschichte: aus dem Kalten Krieg.
"Eine Schaufensterfigur ist nicht nur ein Werbeträger", sagt Firmeninhaber Wolfgang Geuenich, "mit der Aktion im Rathaus hoffen wir, dass die Besucher unsere Schaufensterpuppen auch als Kunstobjekte sehen werden." Der ehemalige Atombunker, der Freitag im Rahmen der Initiative "Ab in die Mitte! Die City-Offensive" als unbekannter und ungewöhnlicher Raum in Neuss präsentiert wird, soll durch die Figuren eine zusätzliche Spannung zwischen den nackten Betonwänden erzeugen.
Die "Bunkernacht"
Wann Freitag, 23. Juli, 19.30 Uhr
Wo Rathausbunker (zu erreichen über den Rathausinnenhof, Michaelstraße, Eingang 6)
Was Im Atombunker tief unter dem Rathaus sowie in Teilen des Parkdecks 2 des Rathaus-Parkhauses werden Licht-, Klang- und Kunstinstallationen vorgeführt. Das Parkdeck verwandelt sich zudem in einen Biergarten und wird zur Party-Location.
Insgesamt stellen die Brüder Heinz und Wolfgang Geuenich elf Figuren während der Aktion bis zum 1. August aus. Begrüßt und verabschiedet werden die Besucher im Bunker auch von Geuenich-Puppen. Das Besondere: Sie werden nackt und nur mit einem transparenten Plastiküberwurf ausgestellt. "Und eine Überraschung wartet auf die Besucher. Sie werden am Freitag genau hingucken müssen, um sie zu entdecken", sagt Wolfgang Geuenich. Vor allem auf die Gruppe mit der männlichen Puppe sollten Besucher achten.
"Die Menschen wissen nicht, wie viel Arbeit in Schaufensterpuppen steckt", sagt Heinz Geuenich. Die Figuren, die nach echten Models entworfen werden, werden in einem aufwendigen Verfahren hergestellt. Für die erste Modellage wird Ton verwendet, der Prototyp wird aus Fieberglas hergestellt und die Endversion aus "unverwüstlichem Polyester", wie Heinz Geuenich sagt. Je nach Kundenwunsch werden die Puppen lackiert, etwa in einem natürlichen Ton oder auch in Schwarz oder Weiß. Der Kunde entscheidet auch, ob die Puppen ein Gesicht und Haare haben sollen.
In den 80er Jahren, als die Brüder ihre Firma mit Reparaturwerkstatt gründeten, waren Puppen mit viel Bewegung gefragt. "Aber in den Geschäften wird inzwischen für jeden Quadratmeter der Umsatz berechnet, deswegen sind die Schaufensterflächen leider inzwischen klein. Deswegen gibt es auch kaum noch sitzende Puppen – das würde zu viel Platz kosten." Mit den "Neusser Räumen" hoffen die Brüder, dass das Augenmerk mehr auf die Innenstadt gelenkt wird. "Denn wir brauchen dort mehr Modegeschäfte und nicht nur Bäckereien und Handygeschäfte. Nach der Sanierung des Hauptstraßenzugs ist das etwas, das schnell geändert werden sollte, damit das Einkaufen wieder Spaß macht", sagt Heinz Geuenich.
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