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Neuss: Quengel-Ware

VON HELGA BITTNER - zuletzt aktualisiert: 25.04.2008 - 21:30

Neuss (NGZ). Bei den Neusser Musicalwochen von der Alten Post und der Musikschule wird im Globe die zurzeit viel gespielte Rockoper „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber aufgeführt. Anfangs war kaum jemand von der Idee begeistert.

Info

Termine und Karten

Die Premiere des Musicals ist am Samstag, 6. September, um 20 Uhr im Globe. Weitere Termine sind am 10., 12., 13., 17., 19. und 20. September. Karten gibt es unter anderem im NGZ-Ticketshop unter Telefon 0 21 31 / 40 42 39.

Neuss Kindern sollte man es lieber nicht erzählen: Manchmal hilft es, lange genug zu quengeln. So (oder so ähnlich) muss es jedenfalls bei Ralf Beckers, Reinhard Knoll und Hans Ennen gewesen sein.

Beckers hat gequengelt, Knoll und Ennen haben „lange Zähne“ gehabt - aber Beckers hat sich durchgesetzt. Also wird bei der neunten Auflage der Neusser Musicalwochen von Musikschule und Alter Post „Jesus Christ Superstar“ gezeigt.

Die drei müssen zwar ein bisschen grinsen beim Erzählen, aber dass Ennen (kommissarischer Leiter der Alten Post) und Knoll (Leiter der Musikschule) anfangs von der Idee, die bekannte und zurzeit auch viel gespielte Rockoper einzustudieren, wirklich nicht begeistert waren, stimmt: „Wir vermeiden es eigentlich lieber, populäre Stoffe auf die Bühne zu bringen.“

Aber der musikalische Leiter Beckers hatte wohl doch das unschlagbare Argument: Beim „Kleinen Horrorladen“ im vergangenen Jahr hatte er erstmals mit einer Rockband gespielt und war so begeistert davon, dass er nach einer Möglichkeit suchte, darauf aufzubauen. Und da bot sich das von Andrew Lloyd Webber geschriebene Musical an.

„Obwohl es schwer zu besetzen ist“, schränkt Beckers ein, denn außer den zwei männlichen Hauptrollen Jesus und Judas gibt es nur eine weibliche - die der Maria Magdalena. Immerhin aber, so sagt er, haben andere Figuren wie Herodes oder Pilatus kleine Auftritte, „und in diesem Moment eine große Rolle“.

Das notwendige Personal der Rockoper widerspricht denn auch allen Casting-Erfahrungen bei den Neusser Musicalwochen - in der Regel bewerben sich mehr Frauen als Männer.

Aber die Hauptrollen sind besetzt (Jesus: Edwin Schulz, Judas: Arlen Konietz; Maria Magdalena: Maren Somberg), nur für die der Jünger zum Beispiel werden noch männliche Darsteller gesucht (Kontakt über Telefon Alte Post 0 21 31 / 90 41 22).

Am Ende werden rund 30 Schauspieler auf der Bühne stehen (und 16 Musiker sowie 30 Sänger des Jazzchors Roundabout auf dem zweiten Rang agieren), und Regisseur Sven Post setzt alles dran, jeder einzelnen Figur eine eigene Bedeutung zu geben: „Es ist wichtig, dass jede gespielt wird - auch wenn sie nur herum zu stehen scheint.“

Um mit den jungen Darstellern in das Stück einzutauchen, hat er sie darüber reden lassen. „Die Liedtexte wurden erst mal gesprochen, nicht gesungen.“ Jeder habe seine eigenen Vorstellungen zum Thema entwickelt, und er hat „aus diesen losen Stücken eine Handlung gebaut“.

Auch Post war anfangs skeptisch: „Das Musical hat mich nie interessiert, weil ich dachte, dass es nur um eine totale Verneigung geht.“ Ein Vorurteil auch gegenüber dem Musical-Vielschreiber Lloyd Webber, wie er selbstkritisch zugibt, denn der habe mit „Jesus Christ“ etwas „richtig Gutes geschrieben“.

Und er fügt trocken hinzu: „Wahrscheinlich, weil er damals noch geübt hat.“ Das Musical sei schließlich lange vor seinen glatten Produkten wie „Cats“ entstanden.

Finanziert wird die Produktion wieder zum großen Teil von der Jubiläumsstiftung der Sparkasse: 28 800 Euro steuert sie zu den Gesamtkosten von 53 000 Euro bei.

Während die bisherigen Proben Beckers und Post zuversichtlich stimmen, schauen alle Beteiligten mit Sorge auf die Endproben im Globe. Wegen der Nähe zum Shakespeare-Festival und Schützenfest gibt es nicht die sonst üblichen Zeit-Fenster: „Irgendwie müssen wir zusehen, dass wir dazwischen schlüpfen“, befürchtet Hans Ennen.

Quelle: NGZ


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