Neuss (NGZ). Neuss Die junge Korschenbroicher Geigerin Corinna Hentschel stellte die Komposition „Fatres“ von Avro Pärt am vergangenen Freitag in den Mittelpunkt ihres Violinabends im Alten Ratssaal, umrahmt von Bach und Beethoven. Musikschulen-Leiter Reinhard Knoll hatte - um das Geläut der Münsterglocken zu überbrücken - die Zuhörer bereits in seiner Begrüßung behutsam auf Pärts „spannende Vermischung von Neuem mit Altem“ vorbereitet und zum genauen Hinhören ermuntert.
Symbiose von Neu und Alt
Das Werk des 1935 in Estland geborenen Komponisten Arvo Pärt lässt sich klar in drei Phasen gliedern. Während seine frühen Werke von Vorbildern seiner Heimat wie Prokofjew und Schostakowitsch geprägt sind, schrieb er in den 1960ern mehrere Orchesterwerke, in denen er sich in der seriellen Musik übte - eine Technik, die in der damaligen Sowjetunion auf äußerste Ablehnung stieß.
Nach einer längeren Pause, in der sich Arvo Pärt mit Studien Gregorianischer Choräle, der Kontrapunktik und geistlicher Musik seiner russischen Heimat beschäftigte, entstanden in den 70er Jahren Werke charakteristischer Schlichtheit, Werke des Minimalismus. Aus jener Phase stammen die sechs Variationen seiner 1977 entstandenen Komposition „Fratres“.
Und in der Tat: Die Variationen wirkten weder sperrig noch spröde. Sie glänzten in ihren verschiedenen, das choralartig-ruhige Klavierfundament kontrastierenden Facetten. Vor allem bei den ätherisch-schwerelosen Flageoletts gegen Ende bewies Corinna Hentschel viel Sicherheit in Technik und Tongebung.
Auch bei Ludwig van Beethoven machte die junge Abiturientin und Konzertmeisterin des Sinfonieorchesters der Jugendmusikschule weiterhin eine gute Figur - am Klavier virtuos unterstützt durch den Neusser Pianisten Markus Dominici, dem die Es-Dur Sonate, op.112/3, so manchen waghalsigen Lauf abverlangte.
Beide Musiker machten mit lyrischer Tonsprache wie auch mit virtuoser Präsenz auf sich aufmerksam. Ihr Zusammenspiel wirkte gut koordiniert, und Corinna Hentschel, die im Rahmen des Förderprogramms „Musik macht exzellent“ Geigenunterricht bei Liviu Casleanu vom Bonner Beethovenorchester erhält, machte all jene Unsicherheiten wett, die man aus den beiden Bach-Soli zu Beginn des Konzerts noch deutlich heraushören konnte.
Ein wenig spannungsarm war sie dort durch die Akkorde und Glissandi gehetzt. Vielleicht nervositätsbedingt. Es waren schließlich die ersten Stücke des Abends.
Insgesamt begeisterte Corinna Hentschel jedoch mit einem für ihr Alter sehr reifen Spiel und einem selbstbewussten, manchmal schneidenden Ton. Doch wer mit 19 Jahren schon derart flexibel ein einstündiges Kammermusikprogramm mit Werken aus drei verschiedenen Zeitepochen bestreitet: Alle Achtung.
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