Lokale Wirtschaft (NGZ). Neuss Was haben „denkende“ Waschmaschinen, „intelligente“ Textilien, die selbst entscheiden, wann und wie sie gereinigt werden wollen, mit der Zukunft Deutschlands zu tun? Eine Menge. Das konnten am Montag rund 200 Teilnehmer eines Symposiums der Henkel KG in der Langen Foundation erfahren. Wo sonst Kunstliebhaber die interessierten Blicke auf die Wände richten, fokussierten sich die Wissenschaftler, Umweltschützer, Produktentwickler, Marketing- und Vertriebsexperten auf die „Zukunft des Waschens“. Der Anlass: 100 Jahre Persil, das Jubiläum des wohl bekanntesten Henkel-Produkts.
Das Fazit nach Expertenvorträgen und Diskussionsrunden: Neuartige Textilien, neue Wirkstoffe, innovative Technologien bei Geräten und Waschmitteln, aber auch neue Informations- und Kommunikationswege zwischen Herstellern und Verbrauchern bestimmen die Zukunft.
Und nicht nur die der Waschmittelbranche oder - weiter gefasst - der Chemieindustrie: Professor Dr. Norbert Walter, Leiter Deutsche Bank Research und Chefvolkswirt des Kreditinstitutes, schlug den Bogen zur Perspektive für die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren. „Deutschland 2020 - Ein Land auf Expedition“ - Walter zeichnete mit glasklarem Blick und messerscharfen Formulierungen ein für viele erstaunlich positives Szenario. Keine Spur von Schwarzmalerei.
Der Wirtschaftsexperte sprach von Deutschland als einem Land mit vielen Chancen, das Ziel internationaler Investitionen ist. Wie das? Zwar verliert Deutschland seinen Status als Exportweltmeister, doch gelingt dem Land gleichzeitig mit offenen Innovationsprozessen im Bereich der Spitzentechnologie und der wissensintensiven Dienstleistungen der Sprung in neue Märkte. Besonders der deutsche Mittelstand profitiert von der „Projektwirtschaft“, meist temporären, kooperativen und globalen Wertschöpfungsprozessen. Bis 2020 sieht der Chefvolkswirt der Deutschen Bank 15 Prozent der Wertschöpfung basierend auf der Projektwirtschaft - derzeit sind es gerade einmal zwei Prozent. Ein Beispiel für die Funktionsweise nimmt er aus der Autowirtschaft: „Wenn Daimler den Motor der Zukunft für neue Kraftstoffe entwickeln will, kooperiert sogar ein so großes Unternehmen mit dem Konkurrenten BMW.“
Die deutsche Gesellschaft, so Walter, wird bis 2020 eine neue Mitte bilden, die in Bildung investiert und von der Projektwirtschaft profitiert. Die Älteren erleben ein Comeback: Sie sind intelligent ins Arbeitsleben eingebunden. Die Kehrseite der Medaille: Niedrigverdiener haben nur begrenzt Zugang zu den teils privaten Lern-Märkten und stehen, jung wie alt, unter oft erheblichem Druck.
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