Neuss (NGZ). Die neu gegründete städtische Tochter Neusser Marketing GmbH soll das Areal der Galopprennbahn wirtschaftlicher führen, die Stadt einen Großteil der Schulden des Rennvereins übernehmen.
Neuss Wenn die Vorzeichen nicht trügen, stehen die Chancen nicht schlecht, noch vor der politischen Sommerpause einen Schlussstrich unter das Dauer-Thema Galopprennbahn ziehen zu können.
Der Finanzausschuss sprach sich mehrheitlich für eine Neustrukturierung der wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse zwischen dem Neusser Reiter- und Rennverein (NRRV) und der Stadt Neuss aus. Das bedeutet: Der Rennverein wird entmachtet und soll sich künftig einzig und alleine auf sein Kerngeschäft beschränken - die Ausrichtung der Renntage.
Sogar eine mögliche Insolvenz des NRRV und deren Auswirkungen auf den Galopprennsport und auf die Planungen zur Umgestaltung des Areals („Obertorpark“ mit Bürgerhalle) diskutierten die Ausschussmitglieder.
Denn finanziell ist der Traditionsverein am Ende und hängt am Tropf der Stadt. Die Bilanz der Wirtschaftsprüfer zum 31. Dezember 2006 (der aktuelle Bericht liegt noch nicht vor) belegt einen Gesamtstand an Verbindlichkeiten des Vereins in Höhe von 2,24 Millionen Euro.
Reaktionen von CDU und SPD
CDU-Parteivorsitzender und Mitglied des Finanzausschusses, Dr. Jörg Geerlings , spricht von einem „politisch sauberen Schnitt“. „Es ist gut und richtig, wenn sich der Rennverein auf sein Kerngeschäft konzentriert. Ich bin optimistisch, dass wir das Thema im Stadtrat zu einem guten Ende führen können.“ Aus Sicht der SPD, die sich im Ausschuss enthalten hatte, sind noch Fragen offen: „Die Beseitigung der Altlasten des Vereins wäre untragbar, wenn für die Allgemeinheit keine Aufwertung und Nutzbarkeit des Areals kommt“, sagt Fraktionsvorsitzender Reiner Breuer . Es müsse eine feste Zuwegung in den Innenbereich geben und dort Veranstaltungen, die sich lohnen. Breuer: „Für eine bessere Vermarktung muss es eine bessere Infrastruktur geben.“ Beide Politiker blieben zurückhaltend, warten noch auf den Wirtschaftsprüfungsbericht 2007.
Hauptgläubiger ist die Sparkasse Neuss mit 1,8 Millionen Euro, ferner BSG Buchmacher und Dinea Gastronomie GmbH. Aufgrund von dramatischen Rückgängen bei den Wettumsätzen hatte sich die wirtschaftliche Situation des NRRV im Herbst 2002 derartig verschlechtert, dass er die Stadt um die Übernahme von zwei Annuitätenzahlungen für 2002 in Höhe von insgesamt 194 000 Euro bat.
Bis heute hat die Stadt elf Raten übernommen. Dabei handelt es sich um ein Darlehen zur Finanzierung der Flutlichtanlage und der Sandbahn aus dem Jahr 1995.
Der trostlosen finanziellen Lage des NRRV setzte die Politik mehrheitlich ihr Bekenntnis zum Erhalt des Galopprennsports und zur Grünen Lunge entgegen. Um dies zu gewährleisten, ist eine umfangreiche Umstrukturierung notwendig. Im Einzelnen schlägt die Verwaltung folgende rechtlichen Schritte vor:
Der Pachtvertrag zwischen der Stadt und dem NRRV wird aufgehoben.
Zwischen der Stadt und der Neusser Marketing GmbH wird ein Pacht- und Bewirtschaftungsvertrag abgeschlossen.
Zwischen der Neusser Marketing GmbH und dem NRRV wird ein Pacht-/Nutzungsvertrag über die dauerhafte Anmietung von Räumen und die zeitweise Nutzung der Rennsport-Infrastruktur an den Renntagen abgeschlossen.
Abschluss eines Vertrages, wonach die Stadt die Darlehensverbindlichkeiten des NRRV gegenüber der Sparkasse übernimmt.
Die Flutlichtanlage und weitere bewegliche Vermögengegenstände des NRRV gehen als Sicherheitsleistung an die Stadt.
Das bedeutet, dass künftig die Nachfolgeorganisation der Neusser Tagungs- und Tourismus GmbH, die Neusser Marketing GmbH, in Sachen Galopprennbahn das Sagen haben wird. Denn den Verantwortlichen des Rennvereins traut die Rathausspitze nicht (mehr) und stellt ihnen kein gutes Zeugnis aus.
Wörtlich: „Um die Einnahmen aus dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb in einem Umfang zu steigern, der die Bedienung des Darlehens wieder möglich gemacht hätte, wäre ein deutlich intensivere Bewirtschaftung des Areals erforderlich gewesen. Diese scheiterte jedoch einerseits an der nicht vorhandenen Infrastruktur und andererseits am Fehlen des entsprechenden Know-How . . .“
Es sei daher geboten, die Bewirtschaftung des künftigen Obertorparks in die Hände einer „wirtschaftlich denkenden, professionellen Einrichtung“ zu geben. Wie die neue Neusser Marketinggesellschaft. Ihr sollen alle Einnahmen aus der Vermarktung des Areals zufließen, einschließlich „Bürgerhalle“ und Gastronomie sowie aus Veranstaltungen wie Märkten und Messen.
Für den Rennverein bedeutet dies den Verlust sämtlicher Einnahmen, die nicht mit der Veranstaltung von Galopprennen und mit Buchmachergeschäften verbunden sind. Dem steht die Entlastung bei den Kosten für die Unterhaltung der Anlage gegenüber.
Mit diesem Thema werden sich noch der Hauptausschuss (12. Juni) und abschließend der Stadtrat (20. Juni) befassen.
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