Neuss (NGZ). Neuss Sie nannten ihn Purzelchen, Wölfchen oder Herzensadolf - dass es Frauen gegeben hat, die sich vor Liebe nach Adolf Hitler verzerrten und ihm das in innigen Briefen auch kund taten, ist aus heutiger Sicht kaum vorzustellen. Aber der amerikanische Soldat W. C. Emker hat 1945 im zerstörten Führerbunker etliche Liebesbriefe an Hitler gefunden, sie zunächst mit in die USA genommen und später dann als Buch veröffentlicht.
Termine
Blücherstraße 31, Donnerstag, 27. März, 20 Uhr (Premiere). Karten 0 21 31 / 27 74 99
Diese „Liebesbriefe an Adolf Hitler“ sind die Basis für einen besonderen Theaterabend, mit dem das Theater am Schlachthof (TaS) den Welttheatertag am 27. März begehen will. Es hat Tradition bei der freien Bühne, dass sie an diesem Tag eine Premiere feiert, die sich von den anderen Produktionen des Hauses abhebt. Entweder, weil sie experimentell ist (wie die „Publikumsbeschimpfung“ 2007) oder weil sie revueartig konzipiert wird (wie der Marlene-Dietrich-Abend vor zwei Jahren).
Die Revue ist es auch, die Johann Wild für seine Inszenierung der „Liebesbriefe“ gewählt hat. Die Lesung fast aller Briefe aus dem Buch hat er in eine Show verpackt, die von einem Conferencier begleitet wird. Dieser ist weiblich, heißt Ilva Melchior und wird zudem einige Schlager aus den 30er, 40er Jahren, aber auch Songs der 70er singen. „Nicht so, wie man sie kennt“, sagt Wild, denn gemeinsam mit dem Musiker Andreas Steffens hat er Texte und Melodien so verfremdet, dass sie zum Kontrapunkt des gelesenen Textes werden. „Aber sie sind wiedererkennbar“, verspricht er. Und Reinhard Mlotek, Geschäftsführer des TaS, führt als Beispiel Hanna Schygullas „Lili Marleen“ in der Fassbinder-Verfilmung an: „Da hatte das Lied einen Marschrhythmus.“
Schlager wie „Wer wird denn aus Liebe weinen“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“ würden im Original nicht das schaffen, was sie in der Revue sollen: „Einerseits einen Bezug zur Zeit schaffen und andererseits eine neue Ebene eröffnen“, erklärt Wild. Der Kabarettist Jens Neutag hat ihm zudem Zwischentexte geschrieben, mit denen Melchior die einzelnen Brieflesungen verbindet. „Und wer ihn kennt, weiß, dass diese Texte einen zynischen Humor haben werden“, meint Mlotek. Es spielen neben Melchior Carolin Stähler, Ana Maria Gonzales und Melanie Kleinsorg.
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