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Neuss: Rhein-Kreis als "Marke"

zuletzt aktualisiert: 21.02.2012

Neuss (NGZ). Interview Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wird am Donnerstag bei der Neusser CDU zu Gast sein. Mit der NGZ sprach der Wirtschaftsexperte über mögliche Wege aus der Finanzkrise.

Info

Zur Person

Michael Hüther Der 49-jährige Wirtschaftsprofessor leitet seit 2004 das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, zuvor war er Chefvolkswirt der DekaBank.

Veranstaltung Hüther spricht am Donnerstag, 23. Februar, beim traditionellen Fischessen der Neusser CDU über die Staatsschuldenkrise.

Herr Hüther, am Donnerstag nehmen Sie in Neuss die Staatsschuldenkrise in den Blick. Welche Folgen hat diese Krise für die regionale Wirtschaft?

Michael Hüther Die Krise betrifft vor allem jene Betriebe, die vom Welthandel abhängig sind, wo es leicht rezessive Tendenzen gibt. Langfristig fordert die Staatsschuldenkrise uns alle, denn die Konsolidierung in Bund und Ländern ist unausweichlich. Dabei wird eine zentrale Frage sein, wie gespart wird, ohne die für die Wirtschaft wichtige Infrastruktur zu gefährden.

Ein Weg zur Einnahmensteigerung sind Erhöhungen der Gewerbesteuer. Wie sinnvoll ist das?

Hüther Das ist ein dünnes Eis, auf dem sich die Städte bewegen. Gerade jene zu belasten, die die Wertschöpfung sichern, ist risikoreich. Im schlimmsten Fall entscheiden sich die betroffenen Firmen für einen Standortwechsel, dann bricht die wichtige Einnahmequelle der Gewerbesteuer ganz weg.

Die Rheinschiene gilt als wirtschaftlich gut aufgestellt. Wie kann der Rhein-Kreis seinen Standortvorteil auch in Krisenzeiten nutzen?

Hüther Der Kreis muss weiter auf seine Stärken setzen und seine gute Infrastruktur erhalten. Und damit meine ich nicht nur Hafen, Schienen und die Straßen, auch Faktoren wie Bildung und Kultur machen den Standort attraktiv für Unternehmer. Ein großer Pluspunkt ist das Traditionsbewusstsein der Region. Es zeigt Verlässlichkeit – gerade in Krisenzeiten ein wichtiger Faktor.

Die IHK arbeitet an der "Metropolregion Rheinland", an der sich auch der Rhein-Kreis beteiligt. Helfen solche Zusammenschlüsse?

Hüther Der Begriff ist beliebig, und wenn ich mir das Projekt anschaue, steckt auch nicht viel dahinter. Bedenken Sie, welcher Großraum zusammengefasst ist, die von Düsseldorf bis Köln reicht. Das ist kein zusammenhängender Siedlungsraum, sondern ein Nebeneinander von Großstädten und Dörfern. Und gerade die Städte stehen in einem starken Wettbewerb zueinander – was ich für richtig halte. Es gilt, eine eigene Identität zu prägen. Schon der Rhein-Kreis hat ja das Problem, sowohl große Städte wie Neuss als auch kleine Dörfer wie etwa Rommerskirchen fördern zu müssen.

Wie kann das gelingen?

Hüther Zunächst gilt für diese Region, dass eine kulturelle Gemeinsamkeit besteht, eine übergreifende Identität, die historisch gewachsen ist. Das eröffnet Handlungsfelder und ist die Basis für eine kreisweite Zusammenarbeit. Dass dies in einem Großraum ungleich schwieriger ist, zeigt das Verhältnis zwischen Köln und Düsseldorf. Obwohl diese beiden Städte nah beieinander liegen, ist die Distanz doch ungleich größer.

Die Stadt Köln wirbt bereits mit der "Marke Köln". Wie kann der Rhein-Kreis sich als "Marke" positionieren?

Hüther Indem er realistisch auf seine Stärken setzt. Gerade der Rhein-Kreis verfügt über einen großen Spannungsbogen aus Tradition und Innovation, und das betrifft nicht nur die Bandbreite der Unternehmen, sondern gilt auch für das gesellschaftliche Leben. Der Rhein-Kreis muss authentisch bleiben – dann wird er auch als Marke glaubwürdig sein.

Hanna Koch führte das Gespräch.

Quelle: NGZ


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