Neuss (NGZ). 900 Gäste in der ausverkauften Stadthalle mussten Stehvermögen beweisen: Über sechs Stunden ging der 82. Nüsser Ovend, der unter dem Motto "För Nüsser jilt: Am Ovend nur em Kilt" stand. Die meisten Besucher hielten sich daran und kamen in schottischer Kostümierung.
Lange nicht mehr hat ein Motto des Nüsser Ovends die Besucher so elektrisiert: Die große Mehrheit der 900 Gäste kam passend gekleidet im Kilt und sorgte so für ein farbenfrohes Bild. Die Brauchtums- und Karnevalsgruppe (BKG) der Neusser Heimatfreunde konnte sich über eine sehr gute Stimmung in der Stadthalle freuen, trotz des (zu) langen Programms, das hinreißende Auftritte bot, aber auch einige Schwächen offenbarte.
"Ein sehr gelungener Abend", sagte BKG-Vize Uli Ziegler. "Wir hatten ein super Programm und von der Bühne aus hatten wir den Eindruck, dass die Stimmung im Saal bis zum Schluss klasse war." Dabei hatten die Organisatoren mit dem kurzfristigen Ausfall von "Achnes Kasulke" zu kämpfen, die sich mit Attest am Nachmittag krank gemeldet hatte.
Für sie sprangen "Die Wanderer" aus Köln-Nippes ein, die mit ihrem A-Capella-Auftritt dem mit Spannung erwarteten Ensemble "Herrencreme" klar die Schau stahlen. Die ehemalige Truppe aus dem Theater am Schlachthof sprach von einem "Missverständnis", Marc Tiedtke: "Wir machen Musik-Theater."
Rundum überzeugend konnten das Tanzcorps Rode Husare aus Neuenkirchen, die Show-Bigband "De Bajaasch" aus Neuss und das Tanzkorps KG Dürscheder Mellsäck. Für die einzigen lokalen Spitzen sorgte Prologius Christoph Kleinau.
Dagegen fielen die Büttenredner Hermann-Josef Maassen (trotz sehr guter Präsentation) und das "Duo Novi" stark ab. Maassen bediente Frauen-Männer-Rollenklischees aus den Sechziger-Jahren, vielen weiblichen Gästen beim "Ovend" missfielen die platten und frauenfeindlichen Spitzen der Düsseldorfer Hans Unger und Bernd Ebenau.
Der Prolog
Dem Prologius fällt traditionell die Rolle zu, mit fein gewählten, gleichwohl kritisch-spitzen Worten in den Nüsser Ovend einzuführen. Das gelang Christoph Kleinau auch bei seinem fünften Auftritt. Dabei machte das Ende seines Vortrags – zum Thema Schließung Lioba-Heim – betroffen, als er die bekannteste Neusser Mundartdichterin zitierte: "Helau! Eeer Nüsser Jecke all! Helau! Völl Freud', völl Spass! Mer allemole rope jetzt: So fass wie Nüss. Halt fass.' Sophie Tremblau, Mundartdichterin, wohnhaft Lioba-Heim. Verraten? Verkauft? Verschoben nach Rommerskirchen. Ich danke Euch."
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