Neuss (NGZ). Dr. Heinrich Köppen stellt die Straßenbahn erneut zur Disposition und bekommt für seinen Vorstoß auch Unterstützung aus CDU-Reihen. Es gibt aber auch heftige Kritik am Verhalten des FDP-Fraktionsvorsitzenden.
Neuss Erheblichen Wirbel hat der Vorstoß des Fraktionsvorsitzenden der FDP, Dr. Heinrich Köppen, ausgelöst, noch einmal eine Straßenbahn-Debatte anzuzetteln.
Köppen, der gegen die eingleisige Führung ist, findet die jetzige Situation im Hauptstraßenzug ohne die Linie 709 „größer, freier, menschlicher“. Seinem Eindruck nach vermissten die Menschen in der City die Straßenbahn nicht.
Die freitägigen Reaktionen fielen höchst unterschiedlich aus: Während Bürgermeister Herbert Napp (CDU) von einer „üblen Form des Nachtretens“ sprach, setzt sich Sebastian Rosen, CDU-Ratsherr und Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung, dafür ein, im Rahmen der Gespräche über eine verbesserte Innenstadtgestaltung auch das Straßenbahn-Thema aufzurufen.
Unterstützung gibt es von einem zweiten CDU-Stadtverordneten. Thomas Kracke sieht zwar auf der einen Seite das Ergebnis des Bürgerentscheides und die bereits geschlossenen Verträge, andererseits müsse man „alles tun, um die Innenstadt am Leben zu halten.
Gerade mit Blick auf die Diskussion zu den Einkaufscentern: Die Unterstützung des Einzelhandels ist wichtig. Es sollte daher geprüft werden, was möglich ist.“
Die Aussagen der beiden CDU-Stadtverordneten stützen die Behauptung Köppens, wonach auch in Reihen der Christdemokraten das Thema diskutiert werde. Dies bestätigte auch Partei-Vorsitzender und Stadtverordneter Dr. Jörg Geerlings: „Das stimmt.
Viele sagen, wie toll es ohne Straßenbahn ist. Aber es bleibt dabei: Wir haben einen Bürgerentscheid und man muss das Votum akzeptieren. Es wird auch nichts anderes gemacht.“ Auch Geerlings hat die Veränderung im Hauptstraßenzug bemerkt: „Ohne Oberleitungen sieht es gleich freundlicher aus.“
Dass ernsthaft an dem Beschluss, eine einspurige Führung auf einem Teilstück in der Innenstadt zu verlegen, gerüttelt wird, kann er sich nicht vorstellen. Geerlings: „Ich erkenne keine große Bewegung, die den Beschluss kippen will.“
Thomas Toll, Vorsitzender des City-Treffs, hat eine „Fußgängerzonen-Stimmung“ ausgemacht. Viele Händler hätten, trotz der Baustelle, keine Umsatzrückgänge. Toll: „Letztendlich würde kaum jemand die Bahn vermissen. Mich würde aber die Meinung der Bürger sehr interessieren.“
Sehr überrascht zeigte sich am Freitag Rheinbahn-Sprecher Georg Th. Schumacher: „An der Behauptung der FDP, wir hätten das betriebswirtschaftliche Interesse an der Linie 709 verloren, stimmt nichts.
Das Gegenteil ist richtig.“ Schumacher verwies darauf, dass zum einen bereits neue Verträge mit der Stadt geschlossen seien, zum anderen Aufträge in Millionen-Euro-Höhe für die Gleisarbeiten und Oberleitungen vergeben worden seien. „Der FDP-Antrag zielt voll ins Leere und zeigt einen bedenklichen Umgang mit demokratischen Spielregeln.“
Großes Unverständnis äußerte auch Bürgermeister Napp: „Ich kann die Leute verstehen. Die Oberleitungen sind sicherlich keine adäquate Dekoration für eine Stadt. Aber wir haben ein Votum der Bürger und bestehende Verträge mit der Rheinbahn.
Auf die Stadt kämen große Schadensersatzforderungen zu.“ Die Bündnisgrünen werfen der FDP vor, den „Bürgerwillen zu missachten. Es hat einen Ratsbürgerentscheid gegeben, mit dem sich die Bürger deutlich für den Erhalt der Bahn ausgesprochen haben“, so Fraktionsvorsitzender Michael Klinkicht.
Er sieht in dem Vorstoß von Köppen den Versuch, „dem Bürgermeister eins auszuwischen.“
Bei Bürgern stößt die Initiative der FDP auch auf Zustimmung. So sagte am Freitag NGZ-Leser Helmut Friedberg: „Köppen hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Gibt es jetzt nicht die einmalige Chance für die Bürger, monatelang selbst zu erleben, welcher Vorteil sich aus einer straßenbahnfreien City ergibt?
Der Stadtrat sollte sich erneut mit dem Thema beschäftigen und unter geänderten Gegebenheiten (vielleicht) eine erneute Befragung unter den Neussern starten.“ NGZ-Leser Norbert Schmitt meint, dass die FDP „genau die Meinung vieler Bürger trifft.
Auch diejenigen, die sich bereits mit der Gesamtplanung abgefunden hatten, wachen auf und wollen den Ratsbeschluss kippen. Ich bin für einen Hauptstraßenzug für Fußgänger.“
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