Neuss (NGZ). Mit der Neugestaltung des Rennbahnareals hat sich auch das Umfeld des Globe verändert. Das Open-Air-Foyer des Shakespeare-Festivals hat eine neue Atmosphäre, die an die Ausstattung neue Herausforderungen stellt.
Die Zeit ist knapp, also nimmt der Chef selbst den Besen in die Hand. Das Flipchart ist schließlich voll mit den Dingen, die an diesem Tag erledigt sein wollen: "Platz sauber, Kies sauber, Führring sauber, Streichen fertig, Lagerraum eingerichtet, Globe leer, Schlösser getauscht ..." In drei Tagen startet das Shakespeare-Festival, aber noch sieht es am Globe und in der Wetthalle nicht so aus, als ob den Besucher das gewohnte Ambiente empfangen wird. Laster stehen herum, Bierkisten, die vom Public Viewing übriggeblieben sind, müssen erst verladen werden, und die Wetthalle ist noch völlig nackt. Aber Produktionsleiter Andreas Giesen behält die Nerven, greift eben auch selbst zum Besen und sagt ganz locker: "Wenn wir in vier Tagen fertig werden müssen, schaffen wird das. Und wenn wir nur drei Tage haben, auch."
Das Festival
Start Am kommenden Freitag (16.) um 20 Uhr mit "A Midsummer Night's Dream" der Globe Touring Company
Ende Am 14. August mit dem "Sommernachtstraum" des RLT
Programm Im Internet unter www.shakespeare-festival.de
Kartenpreise Von 12 Euro bis 36 Euro
Ohnehin wird beim 20. Festival nichts mehr sein, wie es immer war. Die Rennbahn ist keine Baustelle mehr, der Platz vor der Wetthalle betoniert (zur Freude manch weiblicher Besucherin endlich "stöckelschuhfreundlich"), und die Sichtachsen haben sich völlig verändert. Vom Globe aus fällt der Blick auf das neue Rennbahnhaus, der Platz ist offen und hat dem Team um Giesen und Ausstatterin Susanne Wohlfahrt schon Kopfzerbrechen bereitet. Rund zwei Meter hohe Säulen mit der Büste des Dichters und Festival-Fahnen sollen dem Auge nun Halt geben und den Raum strukturieren. Die Zufahrt mit dem Auto ist nur noch über die Stresemannallee möglich, so dass dort auf dem Weg auch das große Portal aufgestellt wird.
Für Giesen ist das richtige Drumherum fast genau so wichtig wie das Festival selbst. Und er sieht sich in der Meinung bestätigt, dass der Erfolg des Festivals auch mit der "richtigen Mischung von Inhalt und Kontext" zusammenhängt: "Die Leute kommen gerne wieder, also müssen wir es doch wohl richtig machen."
In der Vergangenheit war es verhältnismäßig leicht, das Gelände in Shakespeares Welt zu verwandeln – da wurde aus der gebuddelten Regenrinne die Themse, aus einer großen Pfütze das Meer von Böhmen –, mit der Neugestaltung des Raumes ist die Atmosphäre vorgeprägt. Plötzlich sind Laternen da, die abends das Open-Air-Foyer des Festivals in ein ganz anderes Licht tauchen, aber Giesen bleibt dabei: "Wir nehmen alles weg, was nicht zum Theater gehört. Nichts soll unsere Besuchern an den Alltag erinnern." Dass der neu gestaltete Raum am Globe eher etwas Mediterranes als Englisches hat, nimmt er gelassen: "Dann wird es eben ein bisschen mehr Verona als London."
Die größte Herausforderung ist für ihn zurzeit ohnehin die Hitze. Dass Mitarbeiter zum Aufbau in Flipflops kamen, kann er zwar verstehen, aber nach Hause schicken musste er sie trotzdem: "Hier muss man feste Schuhe anhaben." Ein Team von insgesamt 35 Mitarbeitern hilft ihm, das Festival einzurichten und zu organisieren. Selbst Giesens Mutter Gisela ist eingespannt: Sie organisiert ehrenamtlich den Shop-Verkauf.
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