Neuss (NGZ). Neuss Antreten im Morgengrauen, schwere körperliche Arbeit bei plötzlichem Schneetreiben und Regen, malochen in knietiefem Matsch und Morast, schuften bis zur Erschöpfung - und „Nachtruhe“ in der Massenunterkunft einer Turnhalle: Das klingt nach einer Strafaktion. Doch was ist das Ergebnis? Strahlende Gesichter, fröhliches Lachen und Stolz auf das Erreichte!
Pro Jugend
Der Verein „Pro Jugend“ wurde am 27. November 1999 gegründet und initiiert und fördert Projekte für Kinder und Jugendliche in Neuss. Die mehr als 30 Mitglieder sind zum größten Teil in der Neus-ser Jugendarbeit tätig. Die Aktionen werden durch Beiträge sowie Spenden von Privatpersonen und Firmen finanziert. Der Vorsitzende von „Pro Jugend“ ist Stephan Butt. Weitere Informationen unter der Telefonnummer 0 21 31 / 7 42 04 93.
Denn der kräftezehrende Einsatz, den 36 Auszubildende der Sparkasse Neuss in der vergangenen Woche bei widrigsten Wetterbedingungen geleistet haben, hatte mit drakonischen Disziplinierungsmaßnahmen rein gar nichts zu tun. Was zählte, war Teamgeist. In einer großen Gemeinschaftsaktion haben die jungen Erwachsenen mit erstaunlichem handwerklichem Geschick einen mit viel Liebe zum Detail gestalteten Spielplatz unweit des Rheinparkcenters auf der Wiese direkt neben der Brückenrampe errichtet.
Am Samstagnachmittag eroberten bereits die begeisterten Kinder aus der Umgebung die neuen Klettergerüste, die an ein gestrandetes Schiff erinnern: Vom Bug grüßt die Meerjungfrau, am Mast steckt die Piratenfahne: „Schiff ahoi!“ Und auch zwei Schaukeln wurden aufgebaut. „Im Herbst vorigen Jahres“, erinnerte Reinhard Tiefenthal, Vorsitzender des Sparkassenvorstands, „wurde die Idee geboren.“ Ziel sei es gewesen, mit diesem Projekt das Wir-Gefühl der Auszubildenden zu stärken, Sozialkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung zu fördern.
Eine Idee, die sofort auf fruchtbaren Boden fiel. Die erforderlichen Genehmigungen ließen jedenfalls nicht lange auf sich warten. „Am Anfang waren wir etwas skeptisch“, verriet Anne Sprenger im Gespräch mit der NGZ. Doch angesichts des durchschlagenden Erfolgs der „Aktion Spielplatz“ freute sich die Auszubildende mit ihren Mitstreitern jetzt im Sonnenschein um die Wette. Auf Fahrrädern war die Truppe zur Eröffnung des Geländes „angereist“, mit dicken Schuhen und in Klamotten, denen noch der Dreck der zurückliegenden Aktion anhaftete.
Entstanden ist der Spielplatz in Zusammenarbeit mit dem Neusser Verein „Pro Jugend“ und der Firma ALEA. Die Abkürzung steht für „Anders lernen durch Erfahrung und Abenteuer“. Die erforderlichen Planungen hatte das Grünflächenamt der Stadt Neuss vorgenommen, denn die Kletter- und Spielgeräte stehen auf städtischem Grund.
Für die stellvertretende Neusser Bürgermeisterin Angelika Quiring-Perl, die zur Eröffnung gekommen war, ist dieser Spielplatz das glückliche Ende eines viel zu lange währenden Provisoriums. Denn bei der Entstehung des Rheinparkcenters vor mehr als 30 Jahren stand vieles auf der Prioritätenliste: Geschäfte, Wohnungen, Straßen und Parkplätze. Nur eines nicht: „Die Kinder hatte man vergessen.“ Mit dem neuen Spielplatz kommen auch sie nun endlich zu ihrem Recht. 70 000 Euro, die aus Mitteln der Sparkassenstiftung und dem so genannten Zweck-ertrag der PS-Lose bereitgestellt wurden, flossen in das ehrgeizige Projekt.
Bis alles fertig ist, muss allerdings noch (echtes) Gras über die Sache wachsen. Ungeachtet dessen machten die Kinder am Samstag schon Nägel mit Köpfen: Es geht doch nichts über so richtig schönen Schlamm…
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