Neuss (NGZ). Im März wird Michael Schumacher sein erstes Formel-1-Rennen im Mercedes-Silberpfeil fahren. Früher steuerte der Kerpener bei Meisterschaften in ein gelbes Macnum-Kart. Das steht heute in einer Lagerhalle in Holzheim.
Holzheim Echte Michael-Schumacher-Fans wären mit dem Ding wahrscheinlich niemals gefahren. Sie hätten das Chassis mit der "4" vorne drauf vom Staub der europäischen Kart-Rennstrecken befreit und sämtliche Chrom-Teile auf Hochglanz poliert. So macht man das doch normalerweise mit einem besonderen Sammlerstück.
Für Robert Reinert war das gelbe Macnum-Kart des Formel-1-Weltmeisters allerdings nie mehr als ein flottes Trainingsgerät. Seit der 48-Jähre selber keine Autorennen in der Formel Ford und im Lotus Super 7 mehr fährt, steht das 24-PS-Teil in einer Lagerhalle in Holzheim und staubt vor sich hin. "Sollte irgendwann mal ein Schumacher-verrückter Ölscheich vorbei kommen, gebe ich das Kart gerne ab", sagt er und grinst.
Rennfahrerkarriere
Ende Im September 2006 verkündete Michael Schumacher nach seinem 90. Grand-Prix-Sieg, seine Karriere beenden zu wollen.
Neuanfang Im Dezember vergangenen Jahres kündigte Schumacher sein Formel-1-Comeback für 2010 beim neuen Mercedes-Werksteam an.
Gekauft hat Reinert das kleine Geschoss vor circa 15 Jahren, in einem Geschäft direkt an der bekannten Kerpener Kartrennbahn. "Damals habe ich mir mit einem Kollegen ein Kart geteilt", erzählt Reinert. "Wir sind immer abwechselnd gefahren, bis uns das zu anstrengend wurde. Deshalb war ich auf der Suche nach einem eigenen Fahrzeug."
Einen 100-Kubikmeter-Motor sollte selbiges haben. Andere Bedingungen hatte Reinert nicht. "Ich bin also in den Kart-Shop rein und habe gesagt, was ich suche", erinnert sich der Holzheimer. "Peter Kaiser stand persönlich hinter der Laden-Theke. ,Isch hab' eins – dahinten, dat is dat vom Mischa', sagte er mir."
Peter Kaiser, das müssen diejenigen wissen, die sich im Motorsport nicht auskennen, war früher Chef des Kart-Teams, in dem junge Michael Schumacher fuhr. Heute ist er Schumachers Partner im neu gegründeten "KSM Racing Team" und immer noch, wie es heißt, dessen bester und ältester Freund.
Jedenfalls – als Robert Reinert sein Renn-Kart kaufte, fuhr der spätere Rekord-Formel-1-Weltmeister gerade Tests bei Team Jordan. Mit Jorden holte er auch seinen ersten Weltmeistertitel. Kartfahren hielt den Kerpener nebenher fit. "Für einen Rennfahrer ist Kartfahren die beste Übgung", bestätigt auch Reinert.
"Die Beschleunigung ist irre. So ein Ding zu steuern, bedeutet Nahkampf. Es trainiert die Reflexe, auch, wenn die Endgeschwindigkeit nicht die allergrößte ist." Mit dem gelben Kart, das heute in der Lagerhalle in Holzheim einstaubt, soll Michael Schumacher früher an Deutschen- und Europameisterschaften teilgenommen haben. Im März steigt er nach drei Jahren Pause in einen Mercedes-Silberpfeil. "Ich kann das nachvollziehen, dieses Gefühl, dass man es noch einmal wissen will", sagt Reinert. "Ich bin kein Schumacher-Fan, aber vor seiner Entscheidung hab' ich großen Respekt."
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