Neuss (NGZ). Die Schwanenfamilie am Jröne Meerke ist seit mehreren Wochen verschwunden, illegal eingefangen und umgesiedelt von vermeintlichen Tierschützern, denen nun ein Strafverfahren droht. Zwei Zeuginnen berichten.
Regelmäßig gehen die beiden Freundinnen Katja Will und Daniela Hünten am Jröne Meerke walken, zum Abschalten nach langen Arbeitstagen. Mehrmals in der Woche sind sie auf den Wegen am Wasser unterwegs, so auch an einem Tag im Mai, als sie einen Mann und eine Frau bei dem Versuch beobachten, die Küken des Schwanenpaares, das an dem See lebt, einzufangen.
"Wir haben die beiden sofort angesprochen", sagt Katja Will. "Weil wir das nicht richtig fanden, die Jungtiere anzufassen", fügt Freundin Daniela Hünten hinzu. Die beiden Sportlerinnen befürchten, dass die Küken nach den menschlichen Berührungen nicht mehr von ihren Elterntieren akzeptiert werden, sie gefährdet sind. Der Mann und die Frau lassen zwar von den Schwanen-Babys ab, geben sich gegenüber den beiden jungen Frauen jedoch als Tierschützer aus. Sie beruhigen die Neusserinnen, sprechen davon, dass der männliche Schwan beim Beschützen seiner Küken zu aggressiv sei, und dass die Schwanenfamilie deswegen umgesiedelt werden müsse. "Das klang für uns sehr offiziell", erinnert sich Katja Will. Deswegen habe sie auch nicht mehr nachgefragt, ob eine Erlaubnis der Stadt vorliege oder für welche Naturschutzorganisation die vermeintlichen Tierschützer arbeiten.
Schwäne verschwunden
Düsseldorf Auch in der Landeshauptstadt werden Schwänen vermisst: Im Zoopark werden sechs Schwanen-Küken vermisst.
Hintergrund Auch in Düsseldorf ist bislang unklar, was mit den Jungtieren geschehen ist. Dass ein Fuchs oder eine Katze Schuld haben können, schließt das städtische Gartenamt nicht aus.
Am darauf folgenden Tag kommen die beiden jungen Frauen erneut zum Walken ans Jröne Meerke. "Auch der Mann und die Frau waren wieder da", sagt Daniela Hünten. Die vermeintlichen Tierschützer sind mit einer ganzen Gruppe von Helfern vor Ort. "Bestimmt an die zehn Mann", erzählt Katja Will. Nun kommt es zu der verbotenen Einfang-Aktion, die weder von der Stadt noch vom Rhein-Kreis genehmigt worden war. Die Aktion, für die den unbekannten Tätern ein Strafverfahren wegen Wilderei droht, sollten sie gefasst werden.
Katja Will und Daniela Hünten beobachten die Aktion, schreiten dieses Mal aber nicht ein. Denn die Männer und Frauen gehen sehr professionell vor, haben Käfige und große Käscher dabei. Sie trennen die Tiere mit großen Laken voneinander ab, um sie einzeln einzufangen. "Das sah nicht so aus als würden die das zum ersten Mal machen", sagt Will rückblickend. "Alle Handgriffe saßen, die Schwäne wurden ohne viel Gegenwehr in die Boxen verfrachtet."
Erst später erfuhren die beiden jungen Frauen, dass die Einfang-Aktion illegal war, und dass keine "echte" Tierschutzorganisation die Vögel ohne Erlaubnis von Stadt oder Rhein-Kreis an einen anderen Ort gebracht hätte. Und dass bis heute niemand weiß, an welchen See die Tiere umgesiedelt wurden. "Das hat uns total schockiert", sagt Daniela Bünten. Die 27-Jährige hat daraus eine Lehre gezogen: "Sollte ich eine solche Aktion noch einmal beobachten, würde ich ganz genau nachhaken", sagt Bünten.
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