Neuss (NGZ). Die Stimmung im Gastronomiegewerbe verbessert sich. In dieser Aufbruchstimmung kehrt auch in das älteste Gasthaus der Stadt neues Leben zurück. Dirk Diekmann und Andreas Pfister setzen auf ein neues Konzept.
Wer will, der kann in Neuss ältestem Gasthaus schon wieder einkehren, doch offiziell eröffnet das Lokal "em Schwatte Päd", seit 1604 am Büchel als Gasthaus nachgewiesen, erst zum Hansefest am kommenden Wochenende wieder.
Neue Betreiber sind Andreas Pfister (als Wirt) und Dirk Diekmann (als Geschäftsführer), die mit einem neuen Konzept all die Fehler zu vermeiden hoffen, die ihren Vorgängern wirtschaftlich das Genick gebrochen haben. Trotzdem bleibt das "Schwatte Päd" ein einmaliges wie schwieriges Haus, hebt Michael Erb hervor, der Vorsitzende des Kreisverbandes im Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa).
Das "Schwatte Päd"
Eröffnet Im Jahr 1604, zuletzt seit Mai vergangenen Jahres geschlossen. Seitdem war das Traditionshaus nur an Karneval und zum Neusser Schützenfest tageweise geöffnet.
Größe 400 Quadratmeter Fläche auf mehreren Etagen bieten bis zu 267 Gästen Platz.
Öffnungszeiten Immer von montags bis sonntags in der Zeit von 11 Uhr bis Mitternacht.
Am Anfang der Geschichte vom "Schwatten Päd" stand der Brauer Jakob Spor, dessen Hauszeichen noch heute an der Fassade zu finden ist. Das Ende der Geschichte des Lokals prägten zuletzt Pleiten und Leerstände. Zwei Jahre stand war das Haus geschlossen, bevor die Hannen-Brauerei das Objekt 2003 aufgab. Der von der Diebels-Brauerei als anschließendem Pächter installierte Wirt musste im Mai 2009 Insolvenz anmelden. Das Haus schloss, und der Hauptstraßenzug ist seitdem eine (fast) gaststättenfreie Zone.
Der neue Geschäftsführer Diekmann lernte das "Päd" zunächst von seiner technischen Seite kennen. Denn der Unternehmensberater und Ingenieur, der schon oft technisch marode Lokale wieder "auf Vordermann gebracht hat", wie er sagt, war in dieser Funktion Anfang 2009 auch am Büchel tätig. "Ich wollte immer schon irgendwann in die Gastronomie", sagt er. Doch die Entscheidung, eines der ältesten Gasthäuser am Niederrhein zu übernehmen, fiel erst kurzfristig.
Partner bei dem Vorhaben ist Andreas Pfister, der eine kaufmännische Ausbildung und Gastronomieerfahrung mitbringt. Als Küchenchef kam André Bergs an Bord, der zuletzt im "Dom" am Herd stand.
Ein Problem des "Päd" sind die vielen Etagen des 400 Quadratmeter großen Lokals, die nach viel Personal verlangen. Diese "Kostenfalle" umgehen Diekmann und Pfister durch Reduktion. Die beiden Säle werden nur für geschlossene Gesellschaften bei vorheriger Buchung geöffnet, die Galerie nur bewirtschaftet, wenn es im "Päd" Mottoabende mit Live-Musik gibt. Das Untergeschoss wiederum wird nur donnerstags bis samstags geöffnet. Dort wird eine Cocktail-Lounge etabliert. Bierschwemme und Speiselokal im Erdgeschoss sind dagegen an sieben Tagen in der Woche ab 11 Uhr geöffnet. Ein Kernproblem des Hauses aber bleibt ohne Lösung: die fast fehlende Außengastronomie.
Die Neueröffnung fällt in eine günstige Phase, urteilt Rainer Spenke, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (DeHoGa) Rheinland. "Es geht langsam wieder bergauf, die Stimmung der Kollegen verbessert sich."
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.