Neuss (NGZ). In der Kurzbeschreibung scheint die Geschichte ein Abenteuer- mindestens aber ein Reiseroman zu sein. Mitte der 30er Jahre, eine Stadt in Holland.
Ein junger Mann namens Rob, aufgewachsen in einem gut betuchten Elternhaus, erträgt die Enge der Heimat im Allgemeinen und die Größe des Vaters im Besonderen nicht mehr und wandert aus. Schifft sich ein nach Südafrika, findet dort Arbeit in einer Diamantenmine.
Doch schon nach den ersten Zeilen des Buches „Sehnsucht nach Kapstadt“ wird klar, dass dem Autor Otto de Kat nichts ferner liegt, als einen spannenden Abenteuerroman zu schreiben.
Von Beginn an liegen eine leise Melancholie und Trauer über dieser Geschichte, denn Rob flieht aus einem Gefühl heraus, ohne es wirklich einkreisen zu können. Sein Leben soll anders verlaufen; er weiß nur nicht, wie.
Das Traurigste an Rob aber ist, dass er nichts wirklich empfindet: keine Liebe, keine Wut, keinen Hass. So schwebt er mehr durch sein Leben. Dinge, die passieren, registriert er, ohne sie an sich heranzulassen.
Der einzige, der zu seinem Innern durchdringt, ist Guus, den Rob im Gefangenenlager kennen lernt. Doch Guus stirbt bei der Flucht und lässt einen grübelnden Rob zurück.
Für die große Unsicherheit, das unstete Leben des Rob hat de Kat nicht nur wunderbar feinsinnige und stimmige Worte gefunden, sondern auch eine sprechende Metapher.
Immer wieder ist es ein Schiff, das den Fliehenden irgendwohin bringt, auf dem sich entscheidende Dinge tun - zum Beispiel, als Rob bei der Flucht von einem solchen den Freund Guus verliert. Ein lesenswertes und ein lange nachhallendes Buch. Helga Bittner
Info Otto de Kat: Sehnsucht nach Kapstadt. Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke. Suhrkamp Verlag, 156 Seiten, 17,80 Euro. Signatur/Standort in der Stadtbibliothek: Kat/2. Obergeschoss
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