Neuss (NGZO). Ein Zwischenbericht zur wissenschaftlichen Untersuchung des Projekts "Jedem Kind seine Stimme" in 113 Neusser Grundschulklassen bestätigt positive Wirkungen auf das Sozialverhalten und Selbstbewusstsein der Kinder.
Gehofft hat er es. Geahnt wohl auch, aber jetzt gibt es ihm die Wissenschaft Schwarz auf Weiß: Das Projekt "Jedem Kind seine Stimme" (JeKiSti) in Neusser Grundschulklassen ist nicht nur bei den Kindern beliebt, sondern auch bei den Eltern. Zu fast 100 Prozent wünschen sie sich, dass der besondere Musikunterricht mit einem Gesangsprofi und einem Lehrer weiterläuft. Kein Wunder also, dass Reinhard Knoll, der Leiter der Musikschule, die das Projekt organisiert, ganz glücklich gesteht: "Ich freue mich unglaublich, bin aber auch überrascht über die hohe Zahl der Zustimmung."
Die Zahl basiert auf einer wissenschaftlichen Untersuchung der "Abteilung für Bildungsforschung und Bildungsmanagement" der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Denn die begleitet das Projekt, erforscht und bewertet Wirkung und Nutzen mit wissenschaftlichen Methoden. Bei JeKiSti geben Gesangsprofis zwei Mal die Woche eine Stunde Musikunterricht und werden dabei von den jeweiligen Lehrern begleitet. Dabei geht es nicht allein ums Singen an sich, sondern auch um Stimmbildung, Atemübungen und Bewegung.
Mit 3000 Schülern
Das JeKiSti-Projekt wurde 2007 von der Stadt Neuss gestartet. Heute sind von den 25 Grundschulen in der Stadt 23 an dem Projekt beteiligt – mit insgesamt 3000 Schülern in 113 Klassen. Pro Klasse fallen 3000 Euro an Kosten an. 50 Prozent trägt das Land, 40 Prozent die Jubiläumsstiftung der Sparkasse Neuss und zehn Prozent die Stadt Neuss.
Ein erster Zwischenbericht der Uni stellt jetzt durchweg nur Positives fest, beruft sich zwar mit den Ergebnissen von zwei Schulen nur auf eine Stichprobe, aber Tanja Kosubek, die die Untersuchung auswertet, sagt klipp und klar: "Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass das Ergebnis nicht Wunschdenken, sondern realistisch ist." Was ihr Chef Heiner Barz auch bestätigt. 60 Fragebögen von Eltern und 30 von Lehrern hat Kosubek ausgewertet, dazu vor allem viele Interviews mit Kindern und Lehrern geführt, um die Quantität mit Qualität zu untermauern, denn "im Gespräch kann man viel tiefer gehen".
Zitate aus Kindermund wie "Ich bin jetzt viel netter geworden" und von Lehrern wie "Das Fach Musik hat dadurch auch wieder einen höheren Stellenwert bekommen, wenn man sieht, was man alles erreichen kann" belegen, was die Zahlen aussagen. 92 Prozent der Lehrer möchten mit diesem "Team-Teaching" weitermachen; für Eltern wie Lehrer gehört Musik zur "Elementarbildung".
Konzentration und Disziplin bei den Kindern haben sich bei den Kindern gesteigert, und soziale Effekte wie die Integration von Außenseitern in die Klasse gehören ebenso zu den positiven Auswirkungen von JeKiSti wie die Imageverbesserung von Schulen. Die Wissenschaftler Barz und Kosubek sind sich zudem sicher, dass diese Tendenz auch mit dem Abschluss der Untersuchung im Sommer bestätigt wird.
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