Neuss (NGZ). Neuss Mark Weigel schwelgt im Luxus. Wenn auch nur in beruflicher Hinsicht. Über ein halbes Jahr Zeit nur für musikalische Proben - das ist eine Erfahrung, die der Schauspieler und Sänger von seiner alten Spielstätte, dem Rheinischen Landestheater, überhaupt nicht kennt.
Mit Ende der Saison hat der 38-Jährige nach vier Jahren das RLT verlassen und gleich ein neues Theaterengagement bekommen, von dem er sagt: „Es ist wahnsinnig toll, an diesem Haus zu arbeiten.“
Das Haus steht im Ruhrgebiet, ist als „Grillo“ bekannt und berühmt und trägt offiziell den Namen „Schauspiel Essen“.
Die Entscheidung, sich aus dem festen RLT-Ensemble zu lösen, um wieder als freier Künstler zu arbeiten, hat sich zumindest mit Blick auf die nächsten Monate als goldrichtig erwiesen.
Denn Weigel spielt am Schauspiel Essen eine Rolle, in der er seine verschiedenen Fähigkeiten ausspielen kann: Er ist einer der „Comedian Harmonists“, der Exilbulgare Ari Leschnikoff, der in der Verfilmung von Joseph Vilsmaier von Max Tidof verkörpert wurde.
„Ich singe den hohen Tenor“, erzählt Weigel und bekennt sogleich: „Eine Herausforderung, die ich so noch nicht gehabt habe.“ Und dennoch: Die Rolle des Leschnikoff erfüllt für ihn ideale Bedingungen.
Er darf spielen und singen gleichermaßen. Genau das, was er auch angestrebt hat, als er seine künstlerische Ausbildung, die einst an der Folkwangschule ihren Anfang nahm, mit konsequentem Gesangsunterricht komplettierte.
Seit einem halben Jahr probt das „Comedian“-Ensemble „mit irrem Spaß“ an den musikalischen Elementen der Aufführung. „Obwohl es immer etwas schwierig ist, wenn man neu zu einem festen Ensemble dazukommt, haben mich die Kollegen sofort integriert.“
Schließlich sind nur zwei Gäste für die Produktion verpflichtet worden, der Rest wird von festen Ensemblemitgliedern gestellt. In Kürze beginnen die szenischen Proben, „und bis dahin soll die Musik sitzen.“
Eine ideale Arbeitsweise, wie Weigel findet, denn sie macht eine ganz andere Konzentration möglich. 30 Vorstellungen sind in der neuen Saison geplant; eine Wiederaufnahme ist in der nächsten nicht ausgeschlossen.
Gleichwohl: „Von einem Stückvertrag kann ich nicht leben“, sagt Weigel, will sich über seine Agentin auch um TV-Engagements bemühen, denkt dabei vor allem an Fernsehspiele.
Comedyformate jedenfalls kommen für den „Samstag Nacht“-erprobten Schauspieler nicht mehr in Frage: „Die neue Art der TV-Comedy ist nicht meine Richtung.“
So ganz wird der gebürtige Ludwigshafener den Kontakt auch nach Neuss nicht abbrechen. So will er mit seinem Kollegen Atilla Oener, der das RLT auch gerade verlassen hat, ein Theaterprojekt an einer Neusser Schule auf die Beine stellen.
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