Image-Analyse: Mittelmäßiges Zeugnis für Neuss (NGZ). Von Klaus D. Schumilas
Wer ist bundesweit der größte Werbeträger der Stadt Neuss? Schützenfest, Galopprennbahn oder die Deutsche Kammerakademie? Weit gefehlt. Die weitaus bekannteste Attraktion ist die Allrounder Skihalle in Grefrath. Das ergab jetzt eine Image-Analyse, die die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Sie fällt insgesamt ein Urteil, das für die Stadt eher bescheiden ausfällt. Einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Image-Analyse zufolge ist die Grefrather Skihalle für Neuss der Werbeträger Nummer eins. NGZ-Foto: A. Woitschützke -->
Ein bemerkenswertes Ergebnis fanden die Mitarbeiter des Marktforschungs- und Marketingberatungs-Unternehmens "Produkt + Markt" aus Wallenhorst heraus: Keine 30 Prozent der Befragten, die außerhalb von Nordrhein-Westfalen leben, wissen, dass Neuss eine Stadt in NRW ist. Kein Blumentopf ist, was den Bekanntheitsgrad von Neuss betrifft, im Nordosten der Bundesrepublik zu gewinnen: In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg kennt nur rund jeder zehnte Befragte die über 152.000 Einwohner zählende Quirinusstadt.
Grund genug für die "Kopfarbeiter" in der Stadt, am Image von Neuss zu feilen. Rund 20 Vertreter von Neusser Unternehmen sitzen in dem Arbeitskreis "Kopfarbeit" mit dem Ziel, die Außenwirkung zu verbessern. Einer von ihnen ist Hans Mietzen, Pressesprecher der Stadt. Er gewinnt der Image-Analyse auch ihre positiven Seiten ab: "Immerhin sind die Einkaufsmöglichkeiten von denjenigen, die Neuss besuchen, positiv beurteilt worden.
Im Unterschied zu den Neussern selbst", sagte er am Montag gegenüber der NGZ. Die sehen ihre Einkaufsstadt nämlich Untersuchungen der städtischen Wirtschaftsförderern zufolge eher kritisch. "Produkt + Markt" befragten bundesweit per Telefon einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung, wobei es Ziel war, zu gleichen Teilen Neuss-Kenner sowohl in NRW als auch im übrigen Bundesgebiet zu interviewen. Im Gesamtergebnis zeigt sich, dass es Neuss kaum gelingt, sich merklich zu profilieren.
In erster Linie gilt die Stadt als traditionsverbunden, überschaubar und geschäftig. Weniger zugeschrieben werden ihr Individualität oder internationales Flair. Über 30 Prozent der Befragten insgesamt halten Neuss sogar für provinziell. Allerdings unterscheiden sich die Meinungen von Neuss-Besuchern und von Nicht-Besuchern in einigen Punkten deutlich.
Die Marktforscher haben heraus gefunden, dass die Stadt auf den Besucher geschäftiger und moderner sowie weit weniger langweilig wirkt als sie dies vor ihrem Besuch erwartet hätten. Auf die Frage, was an der Stadt Neuss besonders gut gefällt, wurden vor allem die guten Einkaufsmöglichkeiten sowie die schöne Innenstadt und die Altstadt mit den historischen Gebäuden genannt. Bei den so genannten Attraktionen liegt die Skihalle mit weitem Vorsprung auf Platz eins.
Die typischen Attraktionen der Stadt wie das Shakespeare-Festival oder die Kammerakademie wurden von den Befragten, die keine Vorgaben hatten, spontan nicht oder nur im Einzelfall angeführt. Mehr noch: Ein hoher Anteil der interviewten Personen bezeichnete beide Einrichtungen als untypisch für die Stadt.
Das bekannteste Unternehmen in Neuss ist die Firma 3M. Aber: Rund 75 Prozent der Neuss-Kenner aus NRW (und über 85 Prozent aus dem übrigen Bundesgebiet) konnten kein Unternehmen in Neuss benennen. Fazit der Marktforscher: "Um eine Imageveränderung zu bewirken, sind deutlich größere Anstrengungen erforderlich. Das Profil der Stadt muss stärker als bisher in Szene gesetzt werden." Genau dies haben sich die "Kopfarbeiter" auf die Fahne geschrieben.
"Am Freitag werden wir die Ergebnis analysieren und uns erste Maßnahmen überlegen", so Mietzen. Eine positive Außenwirkung sei wichtig, "wir stehen im Wettbewerb der Städte". Seiner Ansicht nach fehlt es an großen Veranstaltungen und Sportevents, sowie Verbesserungen im Handel. Die Imageverbesserung wird im Arbeitskreis allerdings nicht als rein städtische Angelegenheit gesehen. "Das muss auch von den Unternehmen nach außen mitgetragen werden."
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