Neuss (NGZ). Seit zwei Jahren kämpfen Neusser Tierschützer um eine Pflicht zur Kastration von Katzen, doch eine Diskussion im Umweltausschuss steht noch aus. Die Stadt hat rechtliche Bedenken, es bestehe weiter interner Beratungsbedarf.
Wenn heute Nachmittag der Umweltausschuss zusammenkommt, wird über die Luftreinhalteplanung und die Entschlammung des Nordkanals diskutiert. Nicht auf die Tagesordnung geschafft hat es ein Thema, dass Verwaltung und Tierschutzvereine seit mittlerweile zwei Jahren beschäftigt: Die Kastrationspflicht für wilde Katzen. Tierschützer, aber auch Verbände wie die Kreisjägerschaft befürworten die Einführung dieser Pflicht.
"Wir müssen handeln", sagt Ulrike Foerster von der Katzennothilfe Kitty, treibende Kraft hinter dem Projekt, für Neuss eine Kastrationspflicht bei Katzen einzuführen. Täglich ist die Tierschützerin in Neuss unterwegs, gibt an geschützten Futterstellen Tieren Nahrung und fängt jene ein, die noch unkastriert sind. Eine Sisyphosarbeit, meint die Tierschützerin.
Kastrationspflicht
"Paderborner Modell" Paderborn hat vor drei Jahren Kastrationspflicht eingeführt, um ein Bewusstsein für die Problematik der wilden Katzen zu schaffen, so Ordnungsamtsleiter Udo Olschewski.
Arbeitskreis An dem Projekt arbeiten in Paderborn unter anderem Tierschutzvereine, Ärzte und das Kreisveterinäramt mit.
"Wir brauchen die Kastrationspflicht um zu verhindern, dass immer neue wilde Katzen nachkommen", sagt Förster, die die Kastrationen aus Spenden finanziert. Dass sie mit ihrem Anliegen nicht alleine steht, zeigte ein Runder Tisch der Stadtverwaltung, bei dem im November 2011 sowohl der Neusser Tietschutzverein, das Tierheim Bettikum, die Kreisjägerschaft und das Kreisveterinäramt die Kastrationspflicht einforderten.
"Es gibt zu viele freilaufende Katzen", sagt etwa Peter Kallen, Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Da Katzen keine natürlichen Feinde haben, seien sie gegenüber Beutetieren im Vorteil – "das stört das natürliche Gleichgewicht", meint Kallen.
Eigentlich sollten die Ergebnisse dieses Runden Tisches dem heutigen Umweltausschuss vorgelegt werden – so war es zumindest laut dem Ergebnisprotokoll des Runden Tisches geplant, das unserer Zeitung vorliegt. Doch der zuständige Umweltdezernent Horst Ferfers rudert zurück: Frühestens zur kommenden Sitzung im Mai könne das Thema auf die Tagesordnung des Ausschusses gesetzt werden, sagt er. Es gebe rechtliche Bedenken gegen die Pflicht. "Wir müssen das weiter intern abstimmen", sagt Ferfers.
Ein Vorbehalt, so geht es aus dem Protokoll des Runden Tisches hervor, dass Personal für Kontrollen fehlt. Dabei sei dies nicht entscheidend, sagt Udo Olschewski. Er ist in der Stadt Paderborn Leiter des Ordnungsamts. Die Stadt war die erste deutschlandweit, die vor drei Jahren die Kastration von Katzen zur Pflicht machte. "Es geht darum, ein Signal zu setzen", sagt Olschewski. Ein Verbot wirke auch ohne Kontrollen – "es fährt auch niemand über eine rote Ampel", meint er. Die Einführung der Kastrationspflicht hatte sein Amt mit viel Aufklärungsarbeit verbunden. Die Population der Katzen sei spürbar zurückgegangen – ohne dass jemals ein Bußgeld verhängt werden musste.
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