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Die Krise in Zeiten der Krise: Stunk bei Benz & Hilgers

VON JENS KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 25.09.2009 - 21:30

Die Krise in Zeiten der Krise (NGZO). Das Geschäft des Neusser Maschinenbauers Benz & Hilgers brummt. Dennoch hat der Mutterkonzern Oystar die Tariferhöhung ausgesetzt. Die IG Metall klagt: Benz & Hilgers ist das Opfer einer verfehlten Konzernpolitik.

Kämpfen für die Tariferhöhung (v. l.): Betriebsräte Günther Schindler und sein Vize Herbert Findeklee   Foto:  woi
Kämpfen für die Tariferhöhung (v. l.): Betriebsräte Günther Schindler und sein Vize Herbert Findeklee Foto: woi

Die Hiobsbotschaften des Verpackungsmaschinenherstellers Oystar sind in der nüchternen Sprache eines Betriebswirtschaftlers verfasst. Auf vier DIN-A4-Seiten teilt das Unternehmen in einer "Presse-Info" mit: 1. "Die Gruppe muss ihre Kapazitäten der verringerten Nachfrage anpassen"; 2. "Produkt- und Kundengruppen werden in Profit-Centern zusammengefasst"; 3. "Im Gespräch ist die Aussetzung von Sonderzahlungen, die bei einer wirtschaftlichen Erholung wieder aufgenommen werden sollen".

Übersetzt man die drögen Worte, so könnte die Nettobotschaft auch lauten. 1. Mitarbeiter werden entlassen; 2. Der Belegschaft wird künftig deutlicher auf die Finger geschaut; 3. Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Tariferhöhungen sollen wegfallen.

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Benz & Hilgers

Am Standort Neuss arbeiten 130 Mitarbeiter. Dort werden Verpackungsmaschinen für die Molkerei-Industrie produziert. "Das sind zum Beispiel Maschinen, mit denen Butter verpackt wird", sagt Ralf Keller von der IG Metall. Das Unternehmen ist seit 1993 am Standort Neuss ansässig.

Entlassungen soll es bei Benz & Hilgers nicht geben. Das Geschäft brummt. Es ist insbesondere der dritte Punkt, der die Belegschaft des Neusser Maschinenbauers zum schäumen bringt. Der Betrieb, der eines von 17 Tochterunternehmen der Oystar-Gruppe ist, arbeitet nach Meinung von Betriebsrat Günther Schindler auch in der derzeitigen Krise hochprofitabel: "Wir haben in den vergangenen fünf Jahren schwarze Zahlen geschrieben, die Auslastung ist bis März gesichert, es ist nicht gerechtfertigt, wenn jetzt Zahlungen ausgesetzt werden."

Der Oystar-Sparkurs ist nicht nur in Planung, er ist am Blindeisenweg in Neuss schon angekommen. Die Mitarbeiter von Benz & Hilgers warten dort seit Mai auf ihre Tariferhöhung von 2,1 Prozent. Das Urlaubsgeld, das zunächst zurückgehalten worden war, ist bei den Beschäftigten inzwischen angekommen.

Sebastian Glaser, Sprecher der Oystar-Geschäftsführung, bestätigt den Stopp der Tariferhöhung: "Es ist nicht abzusehen, dass sich die Konjunktur verbessert." Da sei das Aussetzen einer Lohnerhöhung eine klassische Maßnahme. Die Restrukturierung koste Geld, Teil der Verhandlung sei eben auch ein konzernweiter Mitarbeiterbeitrag. Glaser: "Das verlangen auch der Eigentümer und die Banken."

"Bank" ist ein Stichwort, das Ralf Keller von der Gewerkschaft IG Metall in Rage versetzt. Er wirft dem Finanzinvestor Odewald & Compagnie, der 2007 Oystar gekauft hat, eine riskante Finanzierung vor. Das Eigenkapital sei zu gering. "Die Banken ziehen jetzt in der Krise die Daumenschrauben an, die Kredite haben sich verteuert", sagt Keller.

Im Handelsblatt wird ein Investmentbanker zitiert, der das Verhältnis zwischen Schulden und Ergebnis vor Zinsen, Steuern, und Abschreibungen bei dem Unternehmen als "okay" bezeichnet. Er fügt allerdings hinzu: "Solche aggressiven Finanzierungen waren zu der Zeit die Regel. Aber da darf eben auch nichts schief gehen."

Die Mitarbeiter von Benz & Hilgers interessiert das wenig. "Die ganze Mannschaft klagt die 2,1 Prozent Tariferhöhung ein", sagt Betriebsrat Schindler. Es gebe schon einen Termin vor dem Arbeitsgericht Mönchengladbach. Dennoch ist der Arbeitnehmervertreter eher resigniert als kämpferisch. Er klagt: "Wir können doch nichts für die Schieflage."

Quelle: RP

 
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