Neuss (NGZ). Die zwölfte Auflage der Klassiknacht bot ein außerordentliches Konzert der Deutschen Kammerakademie Neuss, die mit Swing und Pop die Besucher begeisterte. Ein Feuerwerk um Mitternacht beendete einen stimmungsvollen Abend vor der Stadthalle.
"Das ist ja eine überwältigende Atmosphäre hier im Rosengarten", schwärmte Bernadette Schaffrinski (43) aus Erfttal. Die 12. Klassiknacht der Deutschen Kammerakademie Neuss (dkn) war zugleich ihre erste. "Und ich hätte nie erwartet, dass ein Kammerorchester einen derart satten Bigband-Sound spielt." Da lag Schaffrinski richtig, denn erstmals präsentierte die dkn im Pavillon vor den attraktiven Stadtwaldbäumen "Classic goes Pop".
Das Medley "Broadway tonight" zeigte sogleich, dass in dieser Nacht Swing & Pop Trumpf waren. Diese Programmneuerung quittierten die mehr als 4000 Besucher mit spontanem Jubel. "Es gibt nur wenige klassische Orchester, die sich das zutrauen", sagte Wolfram Goertz. Der Musikredakteur der Rheinischen Post hatte zum zweiten Mal die Moderation übernommen, was nach seinen Worten dann schon "eine lange Tradition ist". Speziell für dieses Programm wurde der amerikanische Dirigent Franz Anton Krager gewonnen. Der ist dank seiner Vorfahren auch österreichischer Staatsbürger, spricht aber kein Wort Deutsch. Dafür ist der auf Crossover-Programme spezialisierte Maestro in diesem Genre Schwergewicht und sprüht vor alpenländischem Charme. Er zelebrierte eine gelungene Mischung aus melancholischem Blues und groovendem Swing, trieb die dkn zu purem Jazz, lobte schließlich das Orchester in den höchsten Tönen: Da schlug die Pauke auch schon mal vor Begeisterung nach. Und als bei "Soon It's gonna Rain" der Dirigent den dichten Wolken über dem Rosengarten drohte, blieb es tatsächlich trocken. Da konnten Tausende die Auswahl aus der "West Side Story" von Leonard Bernstein genießen, sich hinreißen lassen von John Williams "Superman March".
Franz Anton Krager
Erster Europabesuch 1978 im Kopenhagener Tivoli.
Weitere Engagements Amsterdam Concertgebouw, Leipziger Gewandhaus, Bridgewater Hall
Festivals Künstlerischer Leiter beim Aberystwyth International Arts Festivals (GB), Scarlino Castello Music Festival (I), Texas Music Festival (USA).
Geradezu klassisch unterkühlt waren die Arrangements von Robert Nelson, die "Beatles Symphony" konnte die vielen 68er im Publikum nicht wirklich mitreißen, die "Shades of Blue" machten das erstmals augenfällig stark vertretene ganz junge Publikum eher müde. Überraschenderweise mitreißend war hingegen vom gleichen Arrangeur das Medley des Evergreen-King "Cole Porter on Broadway". Zu den Höhepunkten der Nacht zählte der Classical-Pop "Bugler's Holiday" von 1954. Dabei war es ein außerordentliches Erlebnis, dieses unzählige Male gecoverte Stück endlich einmal in der Originalversion für drei Trompeten und Orchester zu hören. Die dkn-Klasse gipfelte hier in dem makellosen Sound der drei Trompeter. Solistische Bereicherung auch durch Deborah Krager, die einige Gospels sang. Bei "Summertime" aus "Porgy & Bess" fiel ihr in den Höhen nicht mehr glasklarer Sopran dem Orchester zum Opfer. Zum Finale gab es Klassik in Reinkultur: Edward Elgars heimliche Nationalhymne aus "Pomp and Circumstances" sorgte für riesigen Jubel. Das feine Feuerwerk passte topgenau zur Musik.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.