Neuss (NGZ). Eine Premiere der besonderen Art war die mittwöchige Topcar-Auktion des Neusser Auto-Versteigerers BCA. Auf großes nationales und internationales Händler-Interesse stießen dabei Ferrari, Maserati und Co .
Neuss Schlag auf Schlag rollen die Luxuslimousinen in die Auktionshalle, 60 000, 80 000, 110 000 Euro - die Zahlen auf der Anzeigetafel sind schwindelerregend, der Auktionator überholt sich bei den Ansagen selbst.
Geboten wird im Schnelldurchgang, doch bei den ganz teuren Modellen ist Zurückhaltung zu spüren. Da geht der Preis auch schon mal runter statt rauf.
In der Regel versteigert das BCA-Haus automobile Massenware vom Fiat bis Opel, von Ford bis Mercedes. Doch am Mittwoch Abend war der Tag für professionelle Autoauf- und Verkäufer mit der - symbolisch - dicken Brieftasche.
Händler aus ganz Deutschland hatten sich dazu bei der erstmaligen exklusiven BCA-Autoauktion in Neuss eingefunden, um eines der 125 automobilen Schmuckstücke möglichst zum Schnäppchenpreis zu ersteigern.
BCA-Deutschland-Chef Peter Dietrich: „Das ist eine Premiere der besonderen Art, denn wir versteigern zwar jede Woche attraktive Automobile, aber Luxus-Fahrzeuge in dieser Vielfalt werden nur selten angeboten.
Wir wollen mit dieser Sonderveranstaltung ein ganz spezielles Händler-Klientel ansprechen, denen es bei unseren üblichen Volumen-Modellen sicher schnell langweilig würde.“
Ein zentraler Marktplatz für Gebrauchtwagen
BCA (British Car Auktion) ist Europas größtes Auktionshaus und mit 1,2 Millionen verauktionierter Einheiten auch Europas größter Vermarkter von Gebrauchtfahrzeugen, die ausschließlich Händlern angeboten werden. In zehn Länder veranstaltet BCA jedes Jahr über 5400 Auktionen in 37 eigens für diesen Zweck gegründeten Zentren. BCA Neuss ist seit 1998 Sitz der Deutschland-Hauptverwaltung und zugleich Auktionszentrum; in Deutschland bietet das Unternehmen an neun Lokalitäten die Fahrzeuge an. Vom einen Tag alten Wagen bis zum Oldtimer. Die Fahrzeuge stammen von Herstellern, sind Ex-Dienstwagen, kommen aus dem Miet- und Leasingbereich. In den BCA-Zentren werden sie aufgrund von Markt- und Erfahrungswerten begutachtet und zusammen mit dem Verkäufer preislich angesetzt. Normalerweise werden 70 Prozent der angebotenen Fahrzeuge verkauft, 2007 waren das rund 92 300.
Zu diesem Artikel erscheint in der NGZ vom Donnerstag ein Porträt über Andreas Zimmermann.
Dramaturgisch wohl inszeniert ging es am Mittwoch erst einmal preislich und vom Angebot her recht moderat zu: Punkt 17 Uhr rollte ein schwarzer BMW 325 CI in die Halle; am Ende eines Ausstattungs-Schnelldurchgangs stand letztlich ein Verkaufspreis von 29 000 Euro zu Buche. Immer noch ein Schnäppchen.
So ging es dann im Minutentakt weiter; zwischendurch auch mal von Auktionator Andreas Zimmermann freundlichst aufgefordert, das Bieten nicht zu vergessen. Doch BCA-Chef Dietrich kennt die Kundschaft: „Wenn es auf die 60 000 Euro zugeht, werden die Händler vorsichtiger.
Daher präsentieren wir die Autos statt der üblichen 45 Sekunden mehrere Minuten lang.“ Für Händler Martin Wirtz, der extra aus Wiesbaden angereist ist, ein wichtiger Punkt: „Schließlich verlieren Luxusautos oftmals schnell an Wert und man muss schon einen Kunden dafür im Auge haben.“
Und so gingen am Mittwoch Abend - bestens aufbereitet - edle Maseratis, Jaguar-Cabrios, Ferrari-Zwölfzylinder, Mercedes- und BMW-Oberklassen sowie Bentleys und seltene Aston Martin über die Ladentheke.
Nicht immer zum veranschlagten Preis, manchmal musste der Auktionator auch schon rückwärts rechnen. Oder das Modell wurde unverrichteter Weise wieder aus der Halle gefahren. So auch ein Formel 1-Rennwagen, ein reines ShowCar. „Das wäre doch etwas für Ihre Diele oder Ihr Wohnzimmer“, so der Auktionator. Doch niemand biss für 12 000 Euro an, auch nicht für herabgesetzte 9 000.
Bernd Quitmann, Leiter der Neusser BCA-Dependance zeigte sich am Ende der Veranstaltung dennoch recht zufrieden: „Ein derartiges Hochpreissegment an den Mann zubringen, ist nicht einfach. Doch das Interesse der etwa 400 Händler - live und im Internet - hat gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
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