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Neuss: Triumph der „letzten Dinge“

VON HANSGEORG MARZINKOSWKI - zuletzt aktualisiert: 27.11.2006 - 21:30

Neuss (NGZ). Neuss Im Jahre 1826 musste das Düsseldorfer Musikfest um einen Tag verlängert werden. Der Grund: Das Oratorium „Die letzten Dinge“ nach Worten der Heiligen Schrift von Louis Spohr, im selben Jahr uraufgeführt, löste derartige Begeisterungsstürme aus, dass eine zusätzliche Aufführung eingerichtet wurde. So oder so ähnlich erging es nun den Besuchern der Christuskirche, in der dieses Oratorium in einer mitreißenden und in allen Belangen hochkarätigen Interpretation gegeben wurde.

Louis Spohr, zuletzt am Kasseler Hof Generalmusikdirektor, hatte einige Opern und drei weitere Oratorien geschrieben, die allesamt in Vergessenheit geraten sind. Das mag erstaunen, denn alle Oratorien feierten zu seinen Lebzeiten auch im Ausland wahre Triumphe.

Für Michael Voigt, Kantor der Christuskirche, ist es unverständlich, warum gerade „Die letzten Dinge“ nicht eine angemessene Rolle im Konzertleben spielen. Die Zuhörer seiner Aufführung geben ihm ohne Einschränkung Recht. Louis Spohr verzichtet mit seinem „wahren Oratorienstil“ auf alles opernhaft Schwülstige, die Kontrapunktik des Hochbarock und Mozart sind erklärte Vorbilder, in der anspruchsvollen Harmonik scheint die Frühromantik durch. Das wird besonders deutlich in den großen Orchestervorspielen zum ersten und zweiten Teil, die apart instrumentiert sind.

Mit dem Orchester „Düsseldorfer Altstadt-Herbst“ hatte Michael Voigt eine gute Wahl getroffen: Die kompetenten jungen Musiker spielten makellos und vollzogen jede Wendung seines präzisen Dirigats exakt nach. Die eigentliche Sensation dieser Aufführung aber war die Kantorei der Evangelischen Christuskirchengemeinde, die nicht nur auf den Punkt vorbereitet war, sondern sich als sehr leistungsstarker und bis auf wenige Tenoreinsätze sehr homogener Gesamtklangkörper vorstellte.

An Textverständlichkeit und Durchhörbarkeit blieben keine Wünsche offen. Dabei hatte der Chor ein gewaltiges Pensum zu absolvieren, hielt aber seine Vitalität, vor allem auch in den strahlenden Sopranstimmen, bis zur letzten großen Chorfuge „Sein ist das Reich und die Kraft“ spannungsgeladen durch.

Die Solisten unterstützten das hohe Niveau eindrucksvoll, überwiegend in rezitativisch-ariosem Gesang mit meist auskomponierter Orchesterbegleitung, seltener im Duett oder auch Quartett. Anna-Elisabet Muro (Sopran), Elke Holzmann (Alt), Gerhard de Buhr (Tenor) und Carsten Krüger (Bass) gestalteten dabei viele Höhepunkte, besonders eindrucksvoll, wenn sie im Dialog mit dem Chor agierten. Sehr langer Applaus würdigte diese glanzvolle Aufführung und darf sicher auch als Dank an Michael Voigt für die Wahl und gründliche Einstudierung dieses seltenen, gleichwohl faszinierenden Werkes verstanden werden.

Quelle: NGZ


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