Neuss (NGZ). Das Gebäude an der Kaiser-Friedrich-Straße 2 wurde um 1910 als Privathaus erbaut. In den 1920er Jahren zog dort die Finanzverwaltung der Stadt Neuss ein. 16 Jahre lang befand sich in dem Komplex eine Polizeidienststelle. Seit rund 20 Jahren dient das Bauwerk als Hotel.
Dort wo früher Steuerbescheide eingingen und Gefangene in der Ausnüchterungszelle einsaßen, fahren heute Luxuskarossen und Tagungsgäste vor. Seit den 90er Jahren dient das Gebäude an der Kaiser-Friedrich-Straße 2 als Hotel. Privathaus, Finanzamt, Polizeiwache, Hotel: Das Vier-Sterne-Hotel mit 75 Einzel- und Doppelzimmern hat viele Geschichten zu erzählen.
Als Privathaus von Textilfabrikant Robert Lonnes Junior erbaut, zog in den 1920er Jahren die Finanzverwaltung der Stadt Neuss in das Gebäude an der Kaiser-Friedrich-Straße ein. "Als Student konnte man sich beim Finanzamt immer etwas hinzuverdienen", erzählt ein Anwohner. Direkt neben dem Finanzamt befand sich in den 1930er Jahren ein Sozialbau, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Schließlich verließ das Finanzamt das von Ratten befallene Gebäude in den 1960er Jahren, verlegte seinen Sitz an die Schillerstraße.
Parkhotel Viktoria
Ausstattung Die 75 Einzel- und Doppelzimmer sind mit Schreibtisch, Satelliten-TV, Radiowecker, kostenfreiem W-LAN, Hosenbügler, Minibar, Selbstwahltelefon, Fön im Bad, Kleiderschrank und Kofferablage ausgestattet.
Kontakt Parkhotel Viktoria, Kaiser-Friedrich-Straße 2, Neuss. Tel. 02131 2399100 oder info@parkhotelviktoria.de
Von 1969 bis 1985 diente der Komplex dann als Polizeidienststelle. "Das Gebäude war alt, nicht sehr komfortabel", erinnert sich Polizeisprecher Hans-Willi Arnold, der an der Kaiser-Friedrich Straße drei Jahre im Wach- und Wechseldienst arbeitete. "Es gab nur eine Toilette für 40 Beamte."
In dem Gebäude an der Kaiser-Friedrich-Straße befanden sich damals unter anderem die Büros des Bezirks- und Ermittlungsdienstes, technische Dienststellen, eine Funkwerkstatt und die Kriminalpolizei. Im Keller gab es fünf Zellen: "Die Zellen waren mit Pritsche und einer Decke ausgestattet, die Gefangenen bekamen im Keller etwas zu essen und hatten die Möglichkeit, zur Toilette zu gehen", sagt Arnold. Maximal 48 Stunden verbrachten die Insassen in den Zellen. Auch wenn das Gebäude wenig Komfort bot – Arnold erinnert sich gerne an das alte Gebäude zurück: "In der alten Dienststelle herrschte immer eine familiäre Atmosphäre."
Für die Nachbarschaft dagegen war die Polizeiwache vor allem mit Lärm verbunden: "Ständig hörte man die Sirenen der vorbeifahrenden Polizeiautos", erinnert sich eine Anwohnerin. Die Polizei habe sich häufiger dafür bei den Anwohnern entschuldigt. 1984 wurde der Grundstein für die Kreispolizeibehörde an der Jülicher Landstraße gelegt. 1986 wechselte das Gebäude den Besitzer: Peter Piolot kaufte das Gebäude vom Land NRW. "Ursprünglich sollte ein Raumausstatter-Markt rein. Auch für eine ambulante Ganztagsklinik war das Gebäude im Gespräch.
Doch daraus wurde nichts", sagt Piolot. Ab 1990 hatte das Gebäude an der Kaiser Friedrich-Straße eine doppelte Funktion: Im Erdgeschoss befand sich Piolots Ausstellungsraum für Teppiche. 1991 wurden der linke Teil des Erdgeschosses und die ersten drei Etagen zu einem Hotel umfunktioniert. 1992 verkaufte Peter Piolot den gesamten Komplex inklusive Mobiliar an eine schwedische Investorengruppe.
Im Jahr 2002 ging das Bauwerk dann in den Besitz eines Investoren aus Süddeutschland über. Seit etwa einem Jahr hat das Parkhotel Viktoria einen neuen Besitzer. "Die alte Polizeiwache war trist und dunkel, das Hotel Viktoria dagegen ist ein Schmuckstückchen", sagt Dieter Heinz, Ehrenvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Neuss. "Das Hotel ist eins der besseren kleinen Hotels in Neuss."
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