Neuss (NGZ). Neuss Ein Preis aus der Mitte der Bürgerschaft - die Formulierung, die Christoph Wilden in seiner Begrüßung wählte, um die Auszeichnung zu charakterisieren, die an diesem Abend vergeben werden sollte, gefiel auch dem stellvertretenden Bürgermeister Thomas Nickel: „Was kann einer Stadt wichtiger sein als Bürger, die selbst handeln?“ fragte er mehr rhetorisch die Gäste, die sich auf Einladung der „Gesellschaft für die Verleihung des Quirinuspreises“ zu eben diesem Vereinszweck im Zeughaus eingefunden hatten.
Wilden hatte es als stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft übernommen, die Gäste zu begrüßen; Nickel vertrat die Stadtverwaltung, und der Vorsitzende der Gesellschaft, Detlef Fleischer, hielt die Laudatio auf den Preisträger.
Der war aus dem Osten angereist, kehrte gleichwohl damit an seine frühere Wirkungsstätte zurück und hatte am Nachmittag schon getan, was er auch in seinen Neusser Zeiten gerne gemacht hat: „Ich bin den alten Weg gegangen, an der Erft entlang bis zur Drususallee und zur Friederichstraße“. Und ein Kaffee im alten Kaffeehaus an der Michaelstraße war auch noch drin.
Nach Paul Spiegel, Rita Süsmuth und der Aktion Zivilcourage in Pirna ging der Quirinuspreis jetzt an Sewan Latchinian, Theatermacher, Regisseur und Schauspieler, der nach seinem Weggang aus Neuss in Senftenberg gelandet war und dort ein kleines Bühnenwunder geschaffen hat.
In einer Region mit 40 Prozent Rentnern und 35 Prozent Arbeitslosen hat er das Theater zu einem Zentrum der Stadt gemacht und zugleich mit seiner künstlerischen Arbeit die Menschen und Theaterkritik weit über die Region hinaus beeindruckt, so dass sein Haus zum Theater des Jahres 2005 erklärt wurde. Für Fleischer und seine Gesellschaft ist das vor allem dem Mut und der Zivilcourage des Intendanten zu verdanken: „Er hat seine Theatertruppe darauf konditioniert, ums Überleben zu kämpfen“, und das Haus zu „einem lebendigen Organismus in dieser Stadt“ gemacht.
Latchinian reagierte gleichermaßen sentimental wie nüchtern: „Ich bin noch froher als ich dachte über den Preis und die Wärme, die mir entgegen gebracht wird“, sagte er mit einem Lächeln. Er betonte, dass er vieles von dem, was er in Senftenberg geschafft habe, in Neuss schon gelernt habe: „Aus wenig Geld viel Kunst zu machen.“
Auch wenn der 45-Jährige die vorherrschende Tendenz beklagte, dass Kultureinrichtungen, die das „Gedächtnis der Menschheit“ seien, mehr und mehr abgeschafft würden, hat er sich eines auf die Fahne geschrieben: „Das Wort Problem ist aus unserem Sprachschatz gestrichen.“
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