Internationale Tanzwochen (NGZO). Zum Auftakt der Internationalen Tanzwochen: "Carmen", getanzt von der Compania Antonio Gades aus Madrid.
Die Internationalen Tanzwochen fahren in dieser Saison zwar ein besonders spannendes Programm auf – etwa mit Sidi Larbi Cherkaoui oder Benjamin Millepied –, aber der Auftakt war war rückwärtsgewandt. Doch er machte den meisten Zuschauern in der Stadthalle viel Spaß. Die Compania Antonio Gades aus Spanien führte die Choreographie ihres Namensgebers, der 2004 gestorben war und einer der führenden Figuren des Flamencotanzes war .zu "Carmen" auf.
1983 hatte er mit Carlos Saura den unvergesslichen "Carmen"-Film gemacht und anschließend ein Bühnenstück daraus zusammengestellt. Damals galt Gades mit seinem vergleichsweise unprätenziösen Stil als Erneuerer. Die Vor- und Nachteile konnte man nun in Neuss wieder beobachten. Statt auf virtuose Bewegungen geht die Aufmerksamkeit auf die Charaktere und die geschickte Aufteilung in Gruppen und Einzelpersonen und, als Höhepunkte, auf Duette. Auf das spannungsvolle Gegeneinander zweier Frauen, zweier Männer oder auf Carmen plus Mann. Auf die Dauer ist das Bewegungsrepertoire etwas eintönig; und wer Könner der neueren Flamenco-Entwicklungen beobachtet hat, etwa Mercedes Ruiz oder Israel Galván, die in der Region gastierten, sieht die Patina auf der guten alten, gleichwohl sehr schön inszenierten "Carmen".
Gades stellt einen Ballettsaal mit Spiegeln und übende Tänzer an den Anfang, lange Röcke, Jeans und T-Shirts, der Choreograph trägt weißes Hemd. Adrián Galia, klatscht, lässt die Gruppe antreten und Rhythmus machen, im Gleichschritt mit den Schuhen klackern. Wie aus einer anderen Welt flattert ganz in Rot Carmen in diese ernste Gesellschaft, als beschwöre erst ihre Figur (Stella Arauzo) den Geist des Flamenco, die Lebenslust, das gemeinsame Feiern und Singen. Das verwandelt die Tänzer. Galia wird zu Don José.
Neben dem Tanz reichen ein paar Stühle, die Spiegel und Lichtwechsel aus für die Charakterisierung der Szenen und Stimmungen; dazu die lyrischen Gitarrenstücke, Lieder, raue Flamencogesänge auf der Bühne, manchmal Stille oder nur Schuheklackern und Händeklatschen.
Einige Stücke aus George Bizets "Carmen"-Oper aus dem Off betonen wiederum das Artifizielle der Situation. Carmen liegt am Ende am Boden, Don José hat sie erstochen, oder der Choreograph hat die Kontrolle über sich verloren. "Carmen" ist sowieso unsterblich.
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