Feuilleton (NGZ). Neuss Ganz still will er dabeisitzen. Nichts von sich aus sagen, sondern abwarten, ob er gefragt wird. „Und dann sag’ ich vielleicht: Hier habe ich es mir etwas schneller vorgestellt, dort ein bisschen kräftiger.“ Und wenn das ignoriert wird? „Ist es auch gut.“
Die Gelassenheit, die Wolfgang Danzmayr ausstrahlt, wirkt nicht im mindesten aufgesetzt. Der gerade 60 Jahre alt gewordene Komponist und Dirigent ist aus Salzburg nach Neuss gekommen, um bei den Proben für die Uraufführung seiner Transkription der vier Sätze von Schuberts großer Sonate B-Dur dabei zu sein - nicht um korrigierend einzugreifen, sondern um zu erleben, wie ein anderer Dirigent mit seiner Arbeit umgeht.
Diesen Kollegen - Lavard Skou-Larsen - kennt er zwar gut und schätzt ihn auch sehr, aber sein Orchester - die Deutsche Kammerakademie (dkn) - hört er zum ersten Mal. Der dkn-Chefdirigent ist schließlich in Salzburg zu Hause, führt dort noch das Chamber Orchestra und lehrt am Mozarteum, wo Danzmayr jahrelang das Haus-Orchester dirigiert hat.
„Natürlich wusste ich, dass Lavard Chef der Deutschen Kammerakademie ist, aber ich habe sie noch nicht spielen sehen“, sagt der Österreicher, der neben seinem Musikerleben noch ein zweites Berufsleben als Kulturchef des ORF-Landesstudio Salzburg führt. Gleichwohl: Ein bisschen habe er sich schon erkundigt nach den Qualitäten des Ensembles, denn „man möchte schon wissen: Was kann das Orchester, und wo sind Grenzen zu erwarten?“ Allerdings hat es ihn beruhigt, als nur „positive Reaktionen“ kamen: „Also rechne bei der Kammerakademie überhaupt nicht mit Grenzen.“
Immerhin führt das Stipendiatenorchester beim Eröffnungskonzert der Sommerakademie am kommenden Montag in Salzburg ein Werk auf, an dem Danzmayrs Herz hängt. Vor gut fünf Jahren hat er als Auftragsarbeit den vierten Satz von Schuberts Sonate für Klavier und Orchester neu gefasst, „und das war eine so faszinierende Arbeit, dass ich beschloss, auch die drei anderen Sätze ohne Auftrag zu bearbeiten“.
Schubert sei ein Komponist, der einem „subkutan näher kommt“, habe Tiefen, „wo einem kein Membran mehr auffällt“, erklärt er, „ dem gehe ich mit meiner Arbeit nach, bis hin zu seinen Unsicherheiten“. So hat Danzmayr zwar dem Instrumentarium nichts hinzugefügt, aber mehr Farbe hineingebracht, indem er zum Beispiel die Holzbläser um sehr tiefe und hohe Stimmen erweitert hat. Zudem blieben alle Themen erhalten, aber es gebe eben Verschiebungen oder Rückgriffe.
Dass es jetzt zur Uraufführung seines Transkript kommt, ist ein Verdienst des Chefs der Sommerakademie, Alexander Müllenbach. Er hat sofort Lavard Skou-Larsen von der Bearbeitung überzeugen können: „Lavard wollte sie unbedingt selbst dirigieren“, erzählt Danzmayr, der voll und ganz auf Skou-Larsen vertraut: „Ein fremder Dirigent bringt für mich Facetten hinein, die alles sein können - überraschend, beglückend und fremd.“ Den Klavierpart der Sonate übernimmt zudem eine Musikerin, die Danzmayr gut kennt und sein Werk schon immer spielen wollte: die in Österreich bekannte Janna Polyzoides.
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