Neuss (NGZO). Die Neuen im RLT Ensembles: Katharina Dalichau und Emila Haag
Ein halbes Jahr hatte sie sich gegeben, um zu erreichen, was die Abiturientin in München Mitte der 1990er Jahre unbedingt wollte: auf eine Schauspielschule gehen. Die achte Bewerbung brachte Katharina Dalichau den Durchbruch: Sie wurde am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien angenommen. "Wahrscheinlich weil ich mich beim Vorsprechen endlich von jedem Druck freigemacht hatte", sagt die RLT-Schauspielerin heute.
Mit Beginn der Saison hat die 34-Jährige nach längerer Zeit als freie Theater- und Fernsehschauspielerin wieder ein festes Engagement an einer Bühne angenommen. Und warum ausgerechnet in Neuss? "Ein neues Ensemble, eine neue Intendanz – das ist einfach spannend", sagt sie. Und außerdem: "Ich fühle mich hier angenommen." Die mit einem Architekten verheiratete Mutter von zwei Kindern muss nämlich Familie und Schauspielerei unter einen Hut bringen, "was manchmal in den Theatern Probleme macht", wie sie sagt.
Erfahrungen hat sie, die sich vor allem von Regisseuren wie Istvan Szabo und Luc Bondy beeinflusst sieht, reichlich gesammelt. Theater der Jugend in Wien, Stadttheater Gießen, Pfalztheater Kaiserslautern, Deutsches Theater Göttingen sind einige ihrer Stationen, dazu Rollen in TV-Produktionen wie "Hinter Gittern", "Lindenstraße" oder "Siebenstein" – die in Köln lebende Künstlerin arbeitete mehrgleisig.
Natürlich hat auch sie Wunschrollen wie Medea oder Maria Stuart, aber sie hat auch festgestellt: "Selbst wenn ich bei einer Rolle skeptisch war – sie hat sich immer als eine entpuppt, mit der ich glücklich war". In Neuss spielt sie die Gabriela in "Wie im Himmel" und in "Country Music" die Lindsay. Was sie als Schauspielerin mag, ist, wenn die "Regisseure einen vorsichtig in die Hände nehmen. Ich glaube, ich kann nur so künstlerisch arbeiten." Das habe sie schon bei ihrem Lehrer Günter Einbrodt erfahren und jetzt auch bei RLT-Intendantin Bettina Jahnke wiedergefunden, wie sie ergänzt.
Emilia Haag ist mit ihrer Verpflichtung am RLT ihr erstes Engagement eingegangen. "Ich habe nach der Schauspielschule erst gar nicht das Bedürfnis gehabt, auf der Bühne zu stehen", sagt die 28-Jährige, die ihre Ausbildung an der Schauspielschule in Bern gemacht hat. Deswegen hat sie zunächst auch vor und hinter der Bühne gearbeitet, als Praktikantin und Regieassistentin an einer kleinen Bühne in der Schweiz, "und fand das spannend, von der anderen Seite ganz tolle Leute arbeiten zu sehen und zu beobachten, wie ein Stück entsteht, wo ich doch selbst gerade erst angefangen habe", sagt sie.
Aber dennoch: Danach wusste sie, dass das Regiefach nicht unbedingt ihres ist – auch wenn sie eingrenzt: "Aus meiner jetzigen Perspektive". So hat sie, die in Beeskow geboren, aber in Frankfurt/Oder, Berlin und Witten aufgewachsen ist, sich im vergangenen Jahr beim zentralen Vorsprechen im RLT beworben und sich sehr gefreut, dass sie an der Neusser Bühne verpflichtet wurde.
Der Vogel in dem Kindertheaterstück "Alle Kühe fliegen hoch", ist ihre erste Rolle. Derzeit ist sie auch in "Country Music" von Simon Stephens zu sehen (ab 15 Jahren) und in "King A" von Inès Derksen (ab acht Jahren). Im letztgenannten ist Haag gewissermaßen allein unter Männern, spielt die Guinevere in dem auf der Artussage basierenden Stück. "Ich mag Kinder als Publikum unheimlich gerne", sagt die in Neuss lebende Schauspielerin.
Ihre Rollenwünsche macht sie an Autoren fest: Samuel Beckett, Peter Handke, aber auch Heinrich von Kleist gehören zu den Dichtern, die sie beeindrucken. Auf der Bühne zu spielen, heißt für Emilia Haag, in einer "Mischung aus Vertrauen und Herausforderung" zu arbeiten. Dabei bringt sie auch das Publikum ins Spiel: "Man gibt so viel Energie rein und es ist einfach nur toll, wenn sie wieder zurückgegeben wird."
Dabei will sie auch eigene Projekte initiieren, denn "Theater sollte nicht nur im abgeschlossenen Raum stattfinden, sondern passiert auch auf der Straße".
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