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Neuss: Vom Cello ans Pult des Dirigenten gewechselt

VON HELGA BITTNER - zuletzt aktualisiert: 04.01.2013

Neuss (NGZ). Der in Belgrad geborene Darko Butorac leitet als Gast das städtische Neujahrskonzert der Deutschen Kammerakademie in der Stadthalle.

Darko Butorac wurd 1979 in Belgrad geboren, in Kanada und den USA ausgebildet. Er ist Chef des Missoula Symphony Orchestra. Foto: N. Pleskonjic/T. Husebø
Darko Butorac wurd 1979 in Belgrad geboren, in Kanada und den USA ausgebildet. Er ist Chef des Missoula Symphony Orchestra. Foto: N. Pleskonjic/T. Husebø

Schon als 17-Jähriger hat er erfahren, was es heißt, vor einem Orchester am Pult zu stehen. "Das Dirigieren hat mir wirklich sehr gut gefallen", sagt Darko Butorac, "aber dass das auch ein Beruf für mich sein könnte, habe ich mir vielleicht gewünscht, aber was das heißt, war mir in dem Alter noch nicht wirklich klar." Aber es wurde sein Beruf. Und den übt der 1979 in Belgrad geborene Musiker mit einer Leidenschaft aus, die selbst dann spürbar ist, wenn er nur von seiner Arbeit erzählt.

Derzeit sind es Werke von Offenbach, Strauß (Sohn), Puccini oder Mozart, die ihn beschäftigen, denn diese gehören zum Programm des Neujahrskonzerts, das die Stadt mit der Deutschen Kammerakademie in der Stadthalle am Sonntag veranstaltet. Butorac ist als Gastdirigent verpflichtet worden – und stattet damit in kurzer Zeit schon zum zweiten Mal dem Rheinland einen Besuch ab. Dabei habe er erst jetzt gemerkt, erzählt er lachend, dass sein erstes Gastspiel auf Schloss Krickenbeck in Nettetal von Neuss gar nicht weit weg liege. Damals, im Juni vergangenen Jahres, war er mit dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt dort – was denn auch einer der Verbindungspunkte zur DKN ist, denn dessen Chefdirigent leitet auch das Orchester aus Bayern.

Wie alles begann

Am Anfang war der Eintritt noch frei

Der Beginn Das Neujahrskonzert ist seit 2001 eine städtische Veranstaltung, an deren Beginn der Bürgermeister ein kurze Ansprache zum neuen Jahr hält.

Karten Anfangs wurden kostenlose Eintrittskarten an Neusser Bürger ausgegeben, heute kostet eine zwölf Euro. Das aktuelle Konzert am Sonntag um 11 Uhr ist ausverkauft.

Bevor Darko Butorac zum Dirigierstab griff, widmete er sich erst mal dem Cello. Er mag dessen Klang, vergleicht ihn mit der menschlichen Stimme, hat das Instrument in Toronto studiert, bevor er dann ein Dirigierstudium in den USA dransetzte. Also ist das Cello-Studium eine Art Voraussetzung für seine Arbeit als Dirigent gewesen? Nein, das mag der Musiker so nicht formulieren. "Es hilft bei der Arbeit mit einem Orchester", sagt er, "aber ist nicht unbedingt nötig." Für ihn stand stattdessen eines im Vordergrund: "Ich habe Cello studiert, um ein guter Musiker zu sein." Für seine Arbeit am Pult vor allem von Kammerorchestern ist es natürlich von Vorteil, dass er selbst ein Streichinstrument perfekt beherrscht.

Seit 2007 ist Butorac Chefdirigent des Missoula Symphony Orchestra in Montana/USA und errang mit diesem Orchester durch eine Erweiterung des Repertoires und vielfältige Programmgestaltung hohe Anerkennung. Aber nach wie vor arbeitet er auch gerne als Gast wie jetzt mit der DKN. "Beides hat seine Vorzüge", sagt er. Als Chefdirigent könne man mit Musikern eine gemeinsame Sprache erarbeiten und den Klang formen: "Und dann braucht es nur ein Wort, um deutlich zu machen, wohin man will." Als Gast wiederum lerne man immer wieder neue Musiker kennen, müsse sich mit Unbekannten auseinandersetzen und könne dadurch auch selber wachsen. Wobei er besonders schätzt, wenn sich die Zusammenarbeit so gestaltet wie jetzt mit der DKN: "Das klappt hervorragend." Weil, so begründet Butorac, die Musiker sofort auf ihn reagierten. Daran erkenne man ein gut geführtes Orchester.

Dass das Programm des Neujahrskonzerts hierzulande eher im populär-klassischen Bereich angesiedelt wird, entlockt ihm nur ein Lächeln. "Ich mag jede Musik, wenn sie gut ist", sagt er und ergänzt: "Der Walzer von Johann Strauß Sohn ist ein wahres Meisterwerk." Ohnehin hat er, der immer noch viel in Nordamerika unterwegs ist, auch die amerikanische Sichtweise mehr verinnerlicht: "Dort ist die Grenze zwischen populär und streng klassisch durchlässiger."

Quelle: NGZ
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