Neuss (NGZ). Neuss Kein Planungspolitiker sitzt länger im Stadtrat, niemand verfügt über mehr Erfahrung. Gleichwohl ist CDU-Ratsherr Heinz Hick selbst in seiner eigenen Fraktion umstritten, eckt mit seiner mitunter eigenwilligen Art an. Jetzt steht der 68-Jährige am Ende seiner kommunalpolitischen Laufbahn womöglich vor dem größten Erfolg.
Hick hat eine Konzeption zur Straßenbahnfrage entwickelt und darin verschiedene Varianten gegenübergestellt. Sein Vorschlag: Die Linie 709 wird an der Stadthalle abgebunden. Das Neue ist: Von dort bringt ein Sammelbus die Fahrgäste in einer kleinen Schleife über Zoll- und Erftstraße zur Innenstadt und über die Bustrasse wieder zurück zur Stadthalle.
„Es ist an der Zeit: Wir müssen endlich einmal entscheiden“, sagt Hick. Der CDU-Planungsexperte ist überzeugt, dass der von ihm favorisierte Vorschlag erstens möglich und zweitens mehrheitsfähig ist. Angeschoben hat die Diskussion vor Wochen die FDP-Fraktion, die ebenfalls für eine Herausnahme der Bahn ist.
Dem von der SPD in Aussicht gestellten Bürgerbegehren sieht Hick gelassen entgegen: „Das müssen wir durchstehen und in der Diskussion die besseren Argumente liefern. Ich wünsche mir aber, das Thema zu regeln, ohne es durch eine parteipolitische Brille zu diskutieren.“
Der Zeitpunkt erscheint Hick so günstig wie nie zuvor. Zum einen müssen die 30 Jahre alten Straßenbahnschienen im Hauptstraßenzug zwischen Theodor-Heuss-Platz und Hamtorwall erneuert werden. Einen Sanierungsbeschluss fasste der Bauausschuss mit Blick auf die grundsätzliche Entscheidung jedoch nicht. Dies muss jedoch bis Ende Januar der Fall sein.
Zum anderen müssen auch Schmutz- und Regenwasserkanal erneuert werden. Und dies nicht nur, wie im Bauausschuss besprochen, zwischen Hamtorwall und Hafenstraße. Das gesamte Kanalsystem von Oberstraße bis Hauptbahnhof ist so marode, dass es erneuert werden muss. Dies gelingt nicht an allen Stellen unter der Erde. Im Bereich der Hafenstraße muss die Straßendecke aufgerissen werden. Konsequenz: Die Linie 709 könnte bis zu drei Monate nicht durch den Hauptstraßenzug fahren.
Für Hick ist es eine günstige Gelegenheit, die Rheinbahnlinie an der Stadthalle ganz abzubinden. In seiner mehrseitigen Konzeption befasste er sich mit den Alternativen und prüfte die Vor- und Nachteile: a) einspurige Führung (von Bürgermeister Herbert Napp ins Gespräch gebracht), b) verschiedene Abbindungsvarianten (Klarissenstraße, Kreishaus oder Stadthalle) und c) verschiedene Umfahrungen (u.a. Schleife um das Kreishaus).
Ziel ist es, so sagt Hick, die Aufenthaltsqualität und die Sortimentsstruktur der Geschäfte im Bereich des Hauptstraßenzugs zu verbessern. „Mit halbherzigen Lösungen oder einer Haltung, ,es bleibt wie es ist’ erreichen wir keinerlei Verbesserungen. Ein Bereich wie die Außengastronomie hat mit einer Straßenbahn keine Chance sich zu entwickeln.“ Bewertungskriterien waren für Hick: Wie ist die Erreichbarkeit der Linie 709 für die derzeitigen/künftigen Nutzer? Bietet der Vorschlag Perspektiven für die heutige Fußgängerzone? Wie ist die Zeitdauer der möglichen Umsetzung? Mit welchen Kosten ist zu rechnen?
Der Hick-Vorschlag:
l Die Linie 709 endet (praktisch sofort) an der Wendeschleife Stadthalle.
l Zeitgleich wird ein durch die Kürze der Strecke sehr attraktiver Bus-Shuttleservice installiert. An der Stadthalle wartet ein (Klein)Bus, der über Oberstraße in die Zollstraße abbiegt (erste Haltestelle gegenüber „Pizzatürmchen“), dann in die Erftstraße fährt (zweite Haltestelle hinter dem Kreisverkehr) und am Ende der Erftstraße rechts in die Bustrasse einbiegt. Die fährt der Bus zurück und sammelt an allen Haltestellen die Fahrgäste Richtung Düsseldorf ein und bringt sie zur Wendeschleife Stadthalle, wo die Linie 709 wartet.
l Die Kanäle werden saniert, die Schienen entfernt und die Fußgängerzone wird nach und nach zügig fertig gestellt.
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